Imageberaterin: "Erfolg beginnt im Kleiderschrank"

Die Imageberaterin spricht über die größten Stilsünden und die Kunst, mit der richtigen Kleidung die Persönlichkeit zu unterstreichen

Kennen Sie das? Der Kleiderschrank hängt voll, und trotzdem weiß man nicht, was man anziehen soll. Image- und Outfitberaterin Carola Nahnsen will das ändern. In einer neuen Stil-Kolumne in der "Freien Presse" wird sie ab Freitag einmal im Monat verraten, wie man mit der richtigen Wahl der Kleidung nicht nur gut aussieht, sondern seine Persönlichkeit unterstreicht. Katrin Saft hat vorab mit ihr gesprochen.

Freie Presse: Wozu benötigt man heute noch eine Image- und Outfit-Beraterin? In der Mode ist inzwischen doch fast alles erlaubt. Selbst Vorstände haben ihre Krawatten abgelegt.

Carola Nahnsen: Ja, der Dresscode ist lässiger geworden. In den sozialen Medien wird viel Street style gezeigt. Menschen wollen sich heute nicht mehr in eine Norm zwingen lassen. Das ist gut so und hat was mit Freiheit zu tun. Es birgt aber auch Gefahren.

Welche denn?

Der Erfolg beginnt nun mal vorm Kleiderschrank. Wenn wir einen Raum betreten, hinterlassen wir in Millisekunden einen Eindruck. Unser Fachwissen kommt erst danach. Deshalb klagen vor allem Unternehmen, deren Mitarbeiter Kundenkontakt haben, zunehmend über zu viel Lässigkeit - über Männer zum Beispiel, die im Sommer in Shorts und Sandalen kommen. Oder über Frauen, die mit Spaghetti-Trägern oder tiefem Ausschnitt den Blick aufs Dekolleté lenken. Da wissen Kunden oder andere Mitarbeiter manchmal gar nicht, wie sie damit umgehen sollen. Insofern erlebe ich einen Wandel: den Wunsch, wieder mehr Aufmerksamkeit auf die Kleidung zu lenken. Dabei muss ich überlegen, wie ich zu welchem Anlass wirken möchte und wer mir gegenübertritt. Die Auswahl in den Läden ist heute riesig. Da wird Beratung dankbar angenommen.

Es gibt doch aber heute auf Instagram oder in anderen sozialen Netzwerken zig Stilikonen, denen hunderttausende Menschen folgen.

Ja, aber bei gutem Stil geht es eben nicht darum, jemanden nachzuahmen oder für einen Tag "gut" auszusehen. Die Frage ist vielmehr, welches Outfit anderen glaubwürdig zeigt, wer ich bin und was ich will - in der Partnerschaft, im Beruf oder im Freundeskreis -, ohne sich zu verstellen. Kleidung, Frisur, Make-up und Körpersprache sollen Kommunikationsmittel sein, die meine Lebenssicht, meinen Standpunkt ausdrücken. Ich möchte dabei behilflich sein, das persönliche Image zu kreieren.

Wie funktioniert das?

Ich schaue mir an, in welcher Lebenssituation sich jemand gerade befindet, in welcher Branche er unterwegs ist, wie er wahrgenommen werden möchte und worin er sich wohlfühlt. Das Ganze startet meist mit einem Kleiderschrank-Check. Passen die einzelnen Teile noch - rein von der Größe, aber auch zur Persönlichkeit und zur Wirkung, die jemand erzielen möchte? Wer weiß, was ihm steht, fühlt sich sicherer und strahlt das auch aus.

Und woher wissen Sie, was jemandem steht?

Meine Mutter war Schneiderin. Ich habe schon als Kind in ihren Burda-Schnittmusterbögen gestöbert, war bei der Stoffauswahl dabei und habe gesehen, wie abgesteckt wird. Nach der Schule wollte ich Dekorateurin in einem großen Unternehmen werden, wurde aber abgelehnt, weil ich zu schüchtern war. Da begann ich, mich mit der Frage zu beschäftigen, wie ich überzeugend auftreten und mir trotzdem treu bleiben kann. Ich habe Hotelfachfrau gelernt und in verschiedenen 5-Sterne-Häusern gearbeitet, unter anderem in England. Auch privat war ich viel im Ausland. Die Mode hat mich dabei immer begleitet und meinen persönlichen Stil geprägt. Bei Stylistin Astrid Rudolph, die mit der ZDF-Show "Schick & schön" bekannt wurde, habe ich das nötige Handwerkszeug gelernt und schließlich vor sieben Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

Was sind denn die größten Fehler, die Frauen beim Anziehen machen?

Viele Frauen meinen, sie gehen auf Nummer sicher und tragen fast jeden Tag Schwarz. Schon Grau oder Blau ist für sie eine Abwechslung. Das finde ich schade, da sich die Frauen damit optisch sehr zurücknehmen. Schwarz nah am Gesicht betont zudem die Fältchen. Ein häufiges Problem ist auch, dass Frauen sich von zu klein gewordener Kleidung nicht trennen können und einer Größe nachtrauern, die sie höchstwahrscheinlich nie wieder im Leben tragen werden. Ausstrahlung und ein passendes Outfit haben aber nichts mit einer bestimmten Konfektionsgröße zu tun. Statt Problemzonen zum Beispiel durch einen zu knappen Hosenbund oder einen zu kurzen Rock zu betonen, sollte die vorteilhafteste Stelle am Körper in Szene gesetzt werden.

Eine junge Generation von Frauen will sich aber nicht länger verstecken und trägt selbstbewusst kurz, auch wenn die Figur nicht dem schlanken Schönheitsideal entspricht.

Das können die Frauen natürlich. Die Frage ist nur, ob sie sich damit immer einen Gefallen tun. Menschen bewerten nun mal, was sie sehen. Insofern ist es nie verkehrt, im Spiegel die eigene Wirkung zu überprüfen. Muss es wirklich das enge Jersey-Oberteil sein, das jedes Röllchen betont? Würde nicht eine hochgeschnittene Jeans eine bessere Figur machen? Oft ist es aber gar nicht diese bewusste Provokation. Frauen müssen heute viele Rollen ausfüllen - als Partnerin, im Beruf, im Haushalt. Da bleibt manchmal auf der Strecke, etwas für sich zu tun: sich früh zum Beispiel länger Zeit für die Haare oder fürs Make-up zu nehmen.

Und was empfehlen Sie den Männern?

Männer sind oft weniger kritisch mit ihrem Aussehen. Achten Sie mal darauf, wie viele mit zu langen Hosen oder schlecht sitzenden Anzügen rumlaufen. Viele machen sich älter, als sie sind. Mit kleinen Veränderungen lässt sich da schnell eine große Wirkung erzielen. Helle Farben zum Beispiel betonen. Da hilft selbst das schönste weiße Hemd nicht, wenn man einen Bierbauch hat. Ein dunkles Hemd, eine gepflegte Jeans und ein schöner Lederschuh können schon ganz viel bringen.

Heute sehen viele selbst beim Sonntagsspaziergang oder im Theater aus, als ob sie zum Wandern gehen wollen. Warum sich umziehen, wenn es inzwischen so praktische Allzeckklamotten gibt?

Weil das auch etwas mit Wertschätzung zu tun hat. Die Schauspieler haben sich lange geschminkt und tolle Kostüme an. Dem bringe ich Respekt entgegen, wenn ich mich auch schick mache. Dann kann man so einen Abend auch ganz anders genießen. Mit ein paar Klassikern im Schrank ist man immer gut angezogen.

Welche sind das konkret?

Eine gut sitzende Jeans und ein dunkelblauer Blazer, der auch aus bequemem Jersey sein kann. Beides lässt sich je nach Anlass kombinieren mit Bluse oder T-Shirt. Accessoires runden das Outfit ab und können es auch schnell verändern.

In ihrer ersten Kolumne verrät Carola Nahnsen morgen, wie man Neues im eigenen Kleiderschrank entdeckt.

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