Das rätselhafte Gerät vom Bauernhof ist eine Pfahlramme

Beim Betrachten von Gegenständen, bei denen man nicht weiß, wozu sie dienen, kann einem manchmal schon die Wahrnehmung einen Streich spielen. Dabei ist es bisweilen auch von Bedeutung, in welcher Position sich der Gegenstand befindet. So verhielt es sich auch bei dem rätselhaften Gerät, das Regina Kiehne aus Halsbrücke auf einem Hof im Erzgebirge gesehen und fotografiert und nach dem Onkel Max vergangene Woche gefragt hatte. Denn so wie es auf dem Foto dasteht, stellt man es vielleicht ab, aber man benutzt es nicht so.

Wohl auch das verleitete zwei Leser aus Penig beziehungsweise Mittweida dazu, in Reaktion auf die Frage von Onkel Max zu vermuten, es handle sich bei dem Gerät um ein Butterfass. Ein weiterer Leser aus Lauter-Bernsbach meinte, darin ein Dengeleisen zu erkennen, also ein Gerät zum Aufarbeiten eines Sensenblattes.

Ja, Onkel Max gibt zu, dass er selbst kurze Zeit noch einer ganz anderen Idee nachhing. Der nämlich, es könnte sich bei dem zylinderförmigen Holzteil mit dem trichterförmigen umlaufenden Metallbeschlag um eine altertümliche Feldtoilette handeln. Stimmt aber nicht. Theoretisch könnte man das Ding sicher so benutzen. Aber spätestens beim nächsten bestimmungsgemäßen Gebrauch gäbe das mächtig Ärger.

Alles Irrtum also, aber wohl eben auch, weil das Gerät da so stand wie es stand. Nämlich mit dem Ende, auf das es ankommt, nach oben. In Aktion zeigt es aber nach unten. Den Zweck, zu dem es offenbar dient, wussten fünf Leser zu nennen. Egbert Jung aus Hohenstein-Ernstthal schrieb noch gegen Mitternacht vor dem offiziellen Erscheinungstag nach Lektüre des E-Papers kurz und knapp: "Das Gerät dürfte in seiner aktiven Zeit zum Einschlagen von Holzpfählen gedient haben." Für Weidezäune etwa. Hendrik Matthes aus Chemnitz steuerte den Begriff "Handramme" bei. Annett Fröhlich aus Plauen wusste zu berichten, dass dergleichen auf den Ostfriesischen Inseln bis heute beim Deichbau dient. Die Funktionsweise beschrieb Leser Ullrich Nier aus Chemnitz-Altendorf: "Der Stahlkopf wird nach unten gedreht, die vorhandene konische Einsenkung dient dazu, dass der Schlagkörper immer zentrisch den einzuschlagenden Pfosten trifft. Bewegt wird der Klotz je nach Größe und Umfang von zwei oder mehr Personen. Diese stehen auf einer Art Gerüst, um einen entsprechend langen Pfosten einschlagen zu können."

Ein Vorteil gegenüber einem Vorschlaghammer dürfte neben der Treffsicherheit darin liegen, dass dank der Einsenkung der Pfosten praktisch nicht nur ins Erdreich geschlagen, sondern dank des tief liegenden Schwerpunkts der Ramme auch dort hinein gezogen wird. Wie tief die Einsenkung beim abgebildeten Gerät ist, lässt sich auf den Fotos, die Regina Kiehne geliefert hatte, nicht erkennen, da in der Öffnung Wasser stand. Sie könnte aber bis unterhalb der Henkel reichen. So ist es jedenfalls bei Pfahlrammen, die man heute zu kaufen bekommt. Sie bestehen aus einem massiven Metallrohr von 60 bis 80 Zentimetern Länge mit einem geschlossenen Ende und zwei angeschweißten Henkeln. Sie wiegen zwölf bis 14 Kilogramm. (tk)


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.