Der Ecksitzer hält eine Wasserwaage - aber falsch

Was hat die Ecksitzerfigur an der Fassade der Burgstädter Außenstelle des Beruflichen Schulzentrums Mittweida auf dem Schoß? Diese Frage stellte sich Sabine Sandner aus Chemnitz, und weder das Landratsamt Mittelsachsen, noch Onkel Max konnten befriedigend Auskunft geben, weswegen er die Frage an die Leser weitergab. Elke Weißbach aus Meerane schreibt dazu, sie sehe in der Figur "einen Zimmermann, der einen Holzbalken zwischen den Knien festklemmt und diesen mit einer Wasserwaage in der Hand ausrichtet und überlegt, ob alles genau wird".

Noch etwas genauer weiß es offenbar Wilfried Günzl aus Hartmannsdorf bei Chemnitz. Er schreibt: "Ich habe 1964 eine Lehre als Tischler in der Berufsschule Burgstädt gemacht. Mein damaliger Fachlehrer hat uns bei einem Rundgang durch die gesamte Schule folgendes über den Ecksitzer erklärt: Der Zimmermann kontrolliert den Balken, ob dieser gerade ist, legt aber die Wasserwaage verkehrt an. Eine Wasserwaage hat zwei Libellen (Glasröhrchen mit Luftblase in gefärbtem Wasser, d. Red.). Eine zur waagerechten und eine zur senkrechten Messung. Für die waagerechte Messung hätte er die Wasserwaage längs, nicht quer zum Balken auflegen müssen und bei der senkrechten Messung an der Seite, wo sein Bein ist." Aber damit stand der unbekannte Bildhauer wohl vor einem gestalterischen Problem. Das senkrechte Anlegen der Wasserwaage hätte ein unruhiges Bild ergeben, und beim waagerechten Auflegen parallel zum Balken hätte man aus der Position des Betrachters nicht mehr gesehen, was der Mann mit Hut da eigentlich tut. Ein Beispiel dafür, dass die Kunst manchmal auf Kosten der Wirklichkeit geht. (tk)

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