Die "Zahnradstange" dient der alternativen Schmerztherapie

Es muss nicht immer das massenhafte Echo sein, das zum Erfolg führt. Manchmal reicht eine einzige Mail oder ein einziger Anruf. Zu der Frage nach der rätselhaften Stange mit den gezähnten Rädchen von Heike Bernhard aus Leipzig kam Letzterer am vergangenen Freitag von Walburga Schiller aus Oelsnitz/V.. Für sie ist die Sache ganz klar: "Das ist ein Dermapunkturroller." Recherchen im Internet mit diesem Wort, das Onkel Max bis dahin gefehlt hatte, bestätigen ihre Aussage. Demnach wird das Gerät mit den auf einer Stange frei drehbar angebrachten 28 Zahnrädchen unter anderem in der alternativen Schmerztherapie benutzt. Gewissermaßen als physikalisches Pendant zur Homöopathie, die den Anspruch hat, Ähnliches mit Ähnlichem zu kurieren. In diesem Fall sollen also Schmerzen, ob nun oberflächliche oder tiefer gehende, mit Schmerzreizen neutralisiert werden, indem man die Rädchen mit sanftem Druck über den Körper rollen lässt: Brust, Bauch, Beine, Arme, Rücken, Nacken. Die auf diese Weise erzeugten Impulse sollen überdies auch Einfluss auf erkrankte innere Organe ausüben, ohne Nebenwirkungen zu haben. Bei regelmäßiger Anwendung soll das Gerät auch bei Zellulitis positive Effekte erzielen. Das Verfahren wird dem niedersächsischem Mediziner Manfred Rimpler zugeschrieben.

Das abgebildete Gerät, das vor rund 20 Jahren auf den Markt kam und nach wie vor erhältlich ist, wurde so konstruiert, dass es sich auch zur Selbsttherapie eignet. Dank des Knickgelenks erreicht man damit auch den eigenen Rücken und andere rückwärtige Körperpartien, ohne sich die Arme zu verrenken. Auch dass die Rädchen einzeln frei drehbar sind, ergibt unter dieser Prämisse Sinn. Eine starre gezähnte Walze würde beim womöglich auch versehentlichen Beschreiben einer Kurve erheblich mehr Schmerzen hervorrufen, als es frei drehende Rädchen vermögen. Es gibt übrigens noch eine abweichende Bauart des Dermapunkturrollers. An einem Griff, der dem eines Malerrollers ähnelt, sind links und rechts parallel zueinander je zwei dieser Nadelwalzen angeordnet. Leser Siegrid Steinrücken aus Chemnitz bestätigt die Funktion des Geräts: "Man musste nur öfter über die schmerzenden Stellen rollen, bis die Haut rot wurde. Die Schmerzen verschwanden nach kurzer Zeit."

Als weitere Deutung bot ein Leser aus dem Erzgebirge an, es handle sich um einen sogenannten Rizzer. Dieses Gerät benutze man, um waagerecht laufende nasse Schleifsteine wieder zu schärfen: "Im Laufe der Zeit setzen sich Schleifrückstände zwischen der Porung des Schleifsteines fest, und die obere Korrundschicht verliert ihre Schärfe. Mit der Anwendung des Rizzers werden erstens die Rückstände und zweitens die oberen abgearbeiteten Korrundkörper entfernt, und der Schleifstein wird wieder scharf." Immerhin, selbst aus im gegebenen Fall nicht sachdienlichen Hinweisen lernt man noch was. Nämlich, dass es Werkzeuge gibt, mit denen man Werkzeuge aufarbeitet, die wiederum dazu dienen, Werkzeuge aufzuarbeiten. (tk)

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