Drehen sich Sonnenblumen auch bei bedecktem Himmel?

Es ist bekannt, dass sich Sonnenblumen mit dem Lauf der Sonne mitdrehen. Was genau "hat" die Pflanze davon? Die grünen Blätter, in denen die Fotosynthese stattfindet, erhalten ja damit auch nicht mehr Sonnenlicht. Dreht sich die Pflanze auch bei bedecktem Himmel mit der Sonne? Was passiert, wenn man die Sonnenblumenpflanzen in ein drehbares Beet stellt, dessen Position man in der Nacht verändert: "Finden" die Sonnenblumen dann am Morgen wieder den Osten? (Diese Fragen hat Horst Kleinenschot aus Zwickau gestellt.)

Ein Forscherteam der University of California hat 2016 eine umfangreiche Studie zur "Ausrichtungstaktik" der Sonnenblumen vorgelegt. Demnach hängt das Bewegungsverhalten der Sonnenblume wesentlich von ihrem Entwicklungsstadium ab. In ihrer Wachstumsphase richtet sie sich tatsächlich zur Sonne aus, weil sie auf diese Weise mehr Licht für die Fotosynthese in ihren Blättern bekommt. Was aber nicht heißt, dass die Sonne direkt das Bewegungsverhalten der Pflanze steuert. Dies geschieht vielmehr über das Wachstum des Stängels. Nachmittags wächst vor allem dessen sonnenabgewandte, östliche Hälfte, sodass die Blumenspitze sich zum Westen neigt. Nachts wächst hingegen vor allem die westliche Hälfte, sodass der Blumenkopf pünktlich zum Sonnenaufgang nach Osten zeigt.

All das geschieht auf Basis einer weitgehend sonnenunabhängigen 24-Stunden-Uhr, also auch bei bedecktem Himmel. Selbst als die US-Forscher die Blumen durchgehend mit Licht bestrahlten, behielten sie ihre Ausrichtungsgewohnheiten noch für ein paar Tage bei. Und dies dürfte auch der Fall sein, wenn man sie auf ein drehbares Beet stellt und ihre Position verändert. Irgendwann werden sie jedoch ihr Bewegungsverhalten ändern und nach den neuen Bedingungen ausrichten.

Doch sofern die Sonnenblume in ihre Blütephase kommt, versiegt ihr Bewegungsverhalten, und sie richtet sich nun nur noch in Richtung Osten aus. Dies garantiert ihr, dass die Blüten in den Morgenstunden am meisten von bestäubenden Insekten besucht werden. Denn Hummeln, Bienen & Co. lieben es, wenn es auf den Blüten, die sie besuchen, schön warm ist. Und weil diese geflügelten Tiere nachmittags und abends erheblich weniger unterwegs sind, lohnt es sich für die Pflanze in dieser Zeit nicht mehr, ihre Blüte zur Sonne auszurichten und sie dadurch zu erwärmen. (jzl)

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