Entsteht aus Wasser, Licht und Grassamen neue Materie?

Folgendes Experiment: In einen Glaskolben legt man eine dicke Schicht feuchtes Küchenkrepp und streut Grassamen darauf. Dann wird der Glaskolben dauerhaft fest verschlossen auf einer Waage ins Sonnenlicht gestellt. Wenn durch das wachsende Gras im Kolben dieser langsam schwerer würde, wäre das nicht ein Beweis dafür, dass neue Materie durch Licht und Wasser entsteht? (Diese Frage hat Heiko Skerra aus Rossau gestellt.)

Bei dem Versuch dürfte sich auf der Waageskala keine nennenswerte Änderung zeigen. Denn wenn das Gras aus dem Samen schießt, entsteht nichts wirklich Neues. Im Samen hat man es vielmehr mit einem sehr verdichteten Substrat zu tun, dass dann mit Hilfe von Licht und Wärme sowie Wasser und Sauerstoff einen Stoffwechsel entwickelt, aufquillt und den Keimling entstehen lässt. Es handelt sich also um keine Neubildung, sondern eine strukturelle Veränderung, vor allem aber eine Auflockerung von Materie. Damit der Keim anschließend weiter wachsen und Masse aufbauen kann, nimmt er anorganische Stoffe wie Wasser, das Kohlendioxid aus der Luft und die Mineralien aus dem Boden, um sie per Fotosynthese, also Energiegewinnung aus Sonnenlicht, zu organischer Substanz umzubauen. Was wiederum keine Neuerschaffung, sondern nur eine Umwandlung von Materie ist. Bei dem geschilderten Versuchsaufbau dürfte der Keimling aber ohnehin bald eingehen, weil Küchenkrepp ihm nichts Nahrhaftes liefern kann, woraus er selbst wiederum Substanz aufbauen könnte.

Das Sprießen und Wachsen eines Pflanzenkeims ist also kein Beispiel für die Entstehung von Materie. Dazu muss schon mehr passieren. Und zwar erheblich mehr. Ende der 1990er gelang es US-Forschern erstmals, pures Licht in Materie umzuwandeln. Sie brauchten dazu vier Jahre und mehrere Billionen Watt, und als Ausbeute hatten sie am Ende gerade mal 100 Elektronen und deren Antiteilchen, die Positronen. Mit ihnen könnte man noch nicht einmal ein Taschenlämpchen zum Glühen bringen. In den heutigen Zeiten des Energiesparens ist das eigentlich kaum noch vermittelbar. (jzl)

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