Gab es Läden mit Sonderversorgung für Funktionäre in der DDR?

In Büchern habe ich von sogenannten Geschlossenen Geschäften gelesen, zu denen nur die Parteinomenklatura der UdSSR Zutritt hatte. Gab es solche Einrichtungen auch in der DDR? (Diese Frage hat Albrecht Kalusche aus Zwickau gestellt.)

Zunächst ganz grundsätzlich, ja, derlei Geschäfte hat es in der Sowjetunion gegeben. Sie liefen dort unter dem etwas kryptischen Namen "Spezmagasiny" und boten Waren an, die in gewöhnlichen Geschäften nicht oder nur sehr selten und nach langem Schlangestehen zu haben waren. Zudem hat es auch "Spezbufety" gegeben. Also Kantinen mit qualitativ gehobenem Angebot, die in den Gebäuden wichtiger Regierungs- und Parteieinrichtungen untergebracht waren. Wie weit dieses System in die Sowjetrepubliken und in die Regierungsbezirke (Oblast') reichte, entzieht sich Onkel Max' Kenntnis. Aber er vermutet, auch dort wird die KPdSU ihre Leute versorgt haben. Schon um des Machterhalts willen. Bedeutend ausgebaut wurde dieses Handelsnetz jedenfalls in der Breschnew-Ära, also ab 1964.

Aber wie war das nun in der DDR? Ganz grundsätzlich kann Onkel Max die Frage guten Gewissens mit Ja beantworten. Es hat zumindest einen solchen Laden gegeben. Vielleicht wird sich noch mancher an die in der Endphase der DDR erstmals ausgestrahlte Jugend-Fernsehsendung "Elf 99" erinnern, die am 23. November 1989 die geradezu legendäre Reportage über einen Besuch in der Wandlitzer Waldsiedlung ausstrahlte. Jenem von Sicherheitskräften zuvor 30 Jahre lang streng abgeschotteten Gelände auf Bernauer Flur, auf dem in 21 ein- und zweistöckigen Einfamilienhäusern mit teils sieben und teils 15 Zimmern Mitglieder und Kandidaten des Politbüros des Zentralkomitees der SED und ihre Familien lebten. Zur Infrastruktur der Siedlung gehörte neben einem Klubhaus mit Arztpraxis, Schwimmbad, Sauna, Kino und Gaststätte, einem Jagd- und Handfeuerwaffen-Schießstand und einem Sportplatz mit Tennisanlage auch das sogenannte Ladenkombinat. Es versorgte die Bewohner und ihre Familien mit hochwertigen DDR- und Westerzeugnissen sowie einem außergewöhnlichen Angebot an Frischobst und -gemüse. Der nassforsche Satz "Geht nicht, gibt's nicht" wurde hier umgedreht. "Gibt's nicht, geht nicht", lautete er hier, denn, was der Laden nicht führte, wurde auf Wunsch kurzerhand beschafft, notfalls auch in Westberlin. Darum kümmerte sich der Bereich "Kommerzielle Koordinierung".

Inwiefern die Dienste dieser Handelseinrichtung auch hohen Kadern von Partei, Staat und ihren vielfältigen "Organen" auf Bezirksebene zur Verfügung standen, dazu hat Onkel Max bei seinen Recherchen nichts gefunden. Aber vielleicht haben einige seiner Leser Erinnerungen daran, etwa solche, die dort gearbeitet haben? Das würde ihn sehr interessieren. Auf Wunsch behandelt Onkel Max die Herkunft der Informationen vertraulich. (tk)

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