Hat der Schutz von Nichtrauchern in Deutschland etwas gebracht?

Anfang 2008 wurde in Deutschland ein Rauchverbot in Gaststätten und anderen öffentlichen Einrichtungen eingeführt. Gibt es schon wissenschaftliche Erkenntnisse, ob dadurch Lungenkrebs und andere Erkrankungen der Atemwege zurückgegangen sind? (Diese Frage hat Frank Dahms aus Annaberg-Buchholz gestellt.)

Genau genommen war das Nichtraucherschutzgesetz Anfang 2008 ja nicht der erste Schritt. Ein Rauchverbot galt schon lange vorher etwa in Geschäften, um zu vermeiden, dass ausliegende Waren Tabakgeruch annehmen, an Tankstellen (logisch!), in Krankenhäusern und Pflegeheimen, Schulen und Sportstätten. Auch in der DDR galt in Gaststätten zur Mittagszeit Rauchverbot, von 11 bis 14 Uhr. In religiösen Kultstätten, Theatern und Konzertsälen gilt es seit langem als verpönt - wohin auch mit der Asche? In Kinos war es nur nicht verboten, wenn es ausdrücklich erlaubt war. Seit Ende der 80er-Jahre wurden Flugzeuge nach und nach rauchfrei, die deutschen Bahnen folgten etwa zehn Jahre später.

Genaue Zahlen darüber, wie sich das Nichtraucherschutzgesetz inklusive seiner Rauchverbote in öffentlichen Einrichtungen, Gaststätten etcetera auf die Volksgesundheit ausgewirkt hat, gibt es noch nicht. Was einerseits daran liegt, dass die Bestimmungen in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich umgesetzt werden. Es liegt aber vor allem auch daran, dass gerade Krebserkrankungen eine lange Latenzzeit haben. So braucht der Lungenkrebs etwa 15 Jahre, bis er sich nach einer physikalischen oder chemischen Schädigung des Atemorgans aufgebaut hat. Dementsprechend kann man auch erst nach dieser Zeitspanne verlässlich sagen, ob das Unterbleiben eines Reizes, wie etwa des Passivrauchens, einen gesundheitlichen Effekt bringt - und das Nichtraucherschutzgesetz gibt es erst seit 2008.

Aber dieses Gesetz ist ja auch nur der Gipfel der Bemühungen, die in den letzten 20 Jahren zum Schutz von Nichtrauchern unternommen wurden - Aufklärung über die Folgen des Passivrauchens inklusive. Und die haben sich insgesamt, so das Resultat einer Studie der Uniklinik Hamburg-Eppendorf, als sehr erfolgreich erwiesen. Demnach starben 1994 hierzulande noch 400 Menschen an Lungenkrebs durch Passivrauchen. 2014 waren es nur noch 167.

Erfreulich sind aber auch die Entwicklungen im Hinblick auf den Zigarettenkonsum - wenngleich nicht unbedingt für die Hersteller. So rauchten im Jahre 2008 noch über 43 Prozent aller 18- bis 25-jährigen Deutschen, jetzt sind es nur noch rund 26Prozent. Es sterben also nicht nur weniger Menschen durch Passivrauchen, es gibt auch immer weniger junge Leute, die anfangen zu rauchen.jzl/tk

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