Hat eine Hochzeitsnacht ohne Sex positive Folgen für die Ehe?

Bei einem geselligen Abend unter Männern erzählten einige Beteiligte jüngst, dass sie weder am Polterabend noch in der Hochzeitsnacht mit ihrer Braut Sex hatten. Sie sind aber seit vielen Jahren verheiratet, vielleicht auch glücklich. Die Frage, ob das eine mit dem anderen zu tun hat, blieb offen. Gibt es vielleicht statistische Erhebungen, wie oft es solche Fälle auftreten oder ob das "normal" ist? (Diese Fragen hat ein männlicher Leser aus Zwickau gestellt.)

Dass sich ein frisch verheiratetes Paar am Abend seiner Hochzeit auf nichts mehr freut, als nun, wie man das so altfränkisch nennt, "die Ehe zu vollziehen", ist wohl eher ein Klischee. In der Tat hat bereits vor einigen Jahren eine Umfrage unter mehr als 2000 Frischvermählten in Großbritannien ergeben, dass nicht mal die Hälfte auf diese Weise den Tag ihrer Hochzeit beendet hat: 52 Prozent der Befragten haben bei dieser Gelegenheit auf Sex verzichtet.

Dafür haben sie verschiedene gute Gründe angegeben. Bei 24 Prozent der Befragten, die in der Hochzeitsnacht enthaltsam waren, war der Bräutigam schlicht zu betrunken. Bei 16 Prozent waren die umfangreichen Vorbereitungen und der eigentliche Tag der Hochzeit so anstrengend, dass die Braut vor Erschöpfung eingeschlafen war. In 13 Prozent der Fälle war die Braut zu betrunken. Elf Prozent verzichteten, weil sie sich um ihre Kinder kümmern mussten. Neun Prozent räumten ein, am Ende der Hochzeit so zerstritten gewesen zu sein, dass an Intimitäten nicht mehr zu denken war. Weitere neun Prozent starteten unverzüglich in die Flitterwochen. Sieben Prozent feierten bis in den nächsten Morgen durch - und waren dann wohl auch entsprechend knülle. In vier Prozent aller Fälle war der Mann vorzeitig eingeschlafen. Und ebenso viele Befragte hatten schlicht keine Lust auf etwas, das sie im Zweifel schon vor der Hochzeit ausgiebig genossen hatten und jederzeit wieder würden tun können - nur ausgeruhter, nach weniger anstrengenden Festivitäten.

Wir können jetzt nur annehmen, dass die Ergebnisse einer solchen Befragung in Deutschland ähnlich ausfallen würden. Es gibt zumindest nichts, was dagegen spricht, unterscheidet sich doch die Heiratskultur in Großbritannien und Deutschland allenfalls in Details. Und da diese Enthaltsamkeit in der Hochzeitsnacht offenbar ein ausgesprochen weitverbreitetes Phänomen ist, lässt sich wiederum daraus auch nicht unbedingt auf den weiteren glücklichen und stabilen Verlauf der Ehe schließen. Oder auf das Gegenteil. In beiden Fällen wird es Ehen geben, die fest im Siebten Himmel verankert sind und solche, in denen die Euphorie rasch der Ernüchterung weicht. Warum auch immer. Das als Folge des Verlaufs einer Nacht zu deuten, wäre purer Aberglaube. Abgesehen davon: Die Hauptsache ist doch, dass schon in der Hochzeitsnacht nur Dinge geschehen, mit denen beide Ehepartner einverstanden sind. Alles andere wäre auf jeden Fall ein schlechter Anfang. (tk)

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