Hatte die Nationale Volksarmee eine eigene U-Boot-Flotte?

(Diese Frage hat Peter Kühn aus Chemnitz gestellt.)

Im Grunde lässt sich die Frage ganz schlicht beantworten: Nein, die Seestreitkräfte der DDR verfügten nicht über U-Boote. Weder in der Nationalen Volksarmee (NVA), noch in deren ab 1960 aufgestellter Volksmarine der DDR gab es ein U-Boot-Programm.

Aber so einfach ist die Sache dann auch wieder nicht. Denn die Rüstungsplanungen im Arbeiter-und-Bauern-Staat begannen ja bereits einige Jahre vor Gründung der NVA. Und tatsächlich gab es ab Frühjahr 1952 in Absprache mit der Sowjetführung erste Pläne der damaligen DDR-Regierung, im Rahmen des weiteren Aufbaus von Streitkräften auch U-Boote in Dienst zu stellen. So wurde Anfang Mai 1952 im "Planvorschlag für die Entwicklung der Seepolizei der DDR für die Jahre 1952/1955" festgelegt, bis 1955 unter anderem insgesamt 13 U-Boote zu beschaffen und hierfür die notwendige Ausbildungsorganisation und Stützpunkt-Infrastruktur einzurichten, wie das Deutsche U-Boot-Museum in Cuxhaven auf seiner Internetseite informiert.

Demnach wurde zur Schaffung der notwendigen Infrastruktur im Saßnitzer Kreidehafen auf Rügen ab Mitte 1952 mit dem Ausbau eines U-Bootstützpunktes begonnen. Bald jedoch wurde ein neues Bauvorhaben für die Aufnahme von U-Booten im Jasmunder Bodden gestartet, wo der Hauptstützpunkt der künftigen DDR-Seestreitkräfte entstehen sollte. Das Areal des Schlosses Dwasieden bei Saßnitz - heute eine Ruine - wurde als Standort einer U-Boot-Lehranstalt (ULA) ausgewählt, ab August 1952 erfolgte die Sanierung eines Teils des Schlosses und die Errichtung von Baracken für Verwaltungs-, Unterkunfts-, Unterrichts- und Betreuungszwecke.

Im Januar 1953 begann an der ULA der Ausbildungsbetrieb. Dennoch wurde noch im selben Jahr wegen der desolaten volkswirtschaftlichen Lage der DDR das U-Boot-Programm wieder verworfen, der Lehrbetrieb an der ULA im August 1953 eingestellt. Hier gilt übrigens das Motto "Danach ist nicht unbedingt deswegen": Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 hatte mit diesen Schritten nichts zu tun. Den Beschluss, in dieser Hinsicht die Reißleine zu ziehen, fällte die DDR-Regierung im Zuge der verfügten Reduzierung des Personalbestandes der Kasernierten Volkspolizei mit der Volkspolizei-See als Vorläufer der NVA bereits am 12. Juni 1953. Spätere konzeptionelle Überlegungen für den Aufbau einer U-Boot-Flotte verliefen im Sande. (tk)


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