In welcher Abfolge entzündet man Kerzen am Adventskranz?

Gibt es eine korrekte Reihenfolge beim Anzünden der Kerzen auf dem Adventskranz? Beim 1. Advent ist es noch ganz einfach: Freie Wahl! Aber dann geht's los: Als nächstes die gegenüberliegende? Oder die links daneben? Oder die rechts daneben? Im Uhrzeigersinn oder entgegengesetzt? (Diese Frage hat Grit Linke aus Chemnitz gestellt.)

Wie Onkel Max bei seinen Recherchen festgestellt hat, gibt es da offenbar verschiedene Schulen. Nach der kirchlichen hat man angeblich nicht mal die Wahl, welche Kerze man zuerst anzündet. Es muss die nach Osten ausgerichtete sein. Dort wo das Licht aufgeht. In diesem Falle auch das Licht Jesu. Weiter geht es mit der Kerze Richtung Süden. Dann folgt die Richtung Westen, gemäß Sonnenlauf. Damit das Licht überall hindringt, entzündet man als letztes die Nordkerze. Also im Uhrzeigersinn. Anderswo wiederum habe ich die Regel gefunden, dass man diese entgegen dem Uhrzeigersinn anzündet. Danach sei es egal, bei welcher Kerze man anfängt. Auf keinen Fall jedenfalls entzündet man als zweite die diagonal gegenüberstehende.

Bisweilen wird auch die Frage diskutiert, wie man es hinbekommt, dass auf einem Adventskranz alle vier Kerzen gleichmäßig abbrennen und so die Flammen jeweils auf gleicher Höhe stehen. Darauf hat zum Einen die Kerzenindustrie eine Antwort gefunden. Sie bietet Sätze à vier unterschiedlich langen Kerzen an. Die längste wird am 1.Advent zum ersten Mal angezündet, die zweitlängste am 2. Advent und so weiter. Der Mathematiker Christian Hesse wiederum hat eine Lösung gefunden, die mit gleich langen Kerzen funktioniert - zumindest am 1., 2. und 4.Advent. Dazu, zitiert ihn bild.de, brauche man allerdings fünf Kerzen. Denn setze man für alle vier Adventssonntage einen gleich langen Abbrand voraus, ergäben sich daraus 1 + 2 + 3 + 4 Abbrandeinheiten. Macht zehn, nur, dass zehn durch vier nicht glatt teilbar ist. Er schlägt also vor, am 1.Advent Kerze Nr. 1 zu entzünden, am 2. Advent die Kerzen Nr. 2 und 3, am 3. Advent die Kerzen Nr. 1, 4 und 5 und am 4. Advent die Kerzen Nr. 2, 3, 4 und 5. Dann hat am Ende jede Kerze zweimal gebrannt.

Ganz interessant ist in diesem Zusammenhang vielleicht, wem die Erfindung des Adventskranzes zugeschrieben wird. Denn so alt ist der noch gar nicht - keine 200 Jahre. Er wurde 1839 von dem evangelisch-lutherischen Theologen, Erzieher, Mitbegründer der Inneren Mission und Begründer der Evangelischen Diakonie Johann Hinrich Wichern (1808 - 1881) im evangelischen Norddeutschland eingeführt. Der klassische Wichernkranz, der im Rauhen Haus in Hamburg, einem Unterschlupf für damalige Waisen- und Problemkinder, sein Licht verbreitete, trug gar bis zu 28 Kerzen - vier große weiße für die Adventssonntage, 18 bis 24 kleine rote für die Werktage vom 1. Advent bis Weihnachten. Angeordnet waren sie auf einem Wagenrad. Vom 1. Advent an wurde täglich eine weitere Kerze entzündet. Wichern hängte den Kranz im Betsaal des Waisenhauses auf. Er sollte den dort lebenden Kindern, die teils auch von der Straße kamen, die Zahl der Tage bis Weihnachten anschaulich machen. Man kann sich vorstellen, wie es in dem Saal von Abend zu Abend heller wurde und wie sinnlich erfahrbar dadurch das nahende Fest. Weiterer positiver Effekt: Die Kinder lernten so nebenbei auch das Zählen.

Aber um noch einmal auf die Anzündegewohnheiten zu kommen: Wie, also, in welcher Reihenfolge, zünden die Leser dieser Seite ihre Kerzen auf dem Adventskranz an? Und welche Traditionen sind bei ihnen eventuell noch mit dem Auftakt der Vorweihnachtszeit oder dieser an sich verbunden? Onkel Max würde sich über auskunftsfreudige Zuschriften freuen, die er gern kommende Woche - zum 1.Advent - an dieser Stelle auswerten würde. (tk)

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