Ist die arabische Zahlschrift weltweit in Gebrauch?

Sind unsere arabischen Schriftzeichen für die Zahlen von 0 bis 9 eigentlich weltweit üblich oder gibt es auch andere Zeichen dafür? Die römischen Strichzahlen sind ja für mathematische Berechnungen untergeordnet nutzbar. (Diese Frage hat Christoph Denke aus Brand-Erbisdorf gestellt.)

Was wir heute als "unsere" arabischen Ziffern ansehen, kommt ursprünglich von noch viel weiter her. Der Ursprung ist Indien. Deswegen wird sie auch indisch-arabische Zahlschrift genannt. Dort ist die Brahmi-Zahlschrift ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. nachgewiesen. Sie hat erst nach und nach das Aussehen der heutigen Ziffern angenommen und sich über weite Teile der Welt verbreitet. Aber, und hier kommen wir zum Thema, nicht über die ganze und nicht sehr schnell. So setzten sich die arabischen Ziffern in Europa und namentlich Deutschland speziell im Geschäftsleben erst im 15. Jahrhundert durch. Sie verdrängten die bis dahin gängigen römischen Ziffern. Die folgen ja zudem einem ganz anderen System, da sie nur mit den Werten 1 (I), 5 (V), 10 (X), 50 (L), 100 (C), 500 (D) und 1000 (M) operieren und konkrete Zahlen durch deren Nebeneinanderstellung ausdrücken, die je nach Position der Ziffern zueinander eine Addition oder Subtraktion bedeutet. Einfachstes Beispiel: IV ist die Vier, VI ist die Sechs.

Aber damit ist die Welt der Zahlen längst nicht zu Ende. So ist im arabischen Sprachraum bis heute eine Vorstufe des in der westlichen Welt gängigen Ziffernzeichensatzes im Gebrauch, was nicht heißt, dass die modernen arabischen Ziffern dort nicht ebenfalls verwendet und verstanden werden - wie etwa auch im Hebräischen. Dort allerdings besteht noch der Unterschied, dass die dortige traditionelle Zahlschrift sich der Zeichen des hebräischen Alphabets bedient - von Aleph (1) bis zum Endlaut Tzade Sofit (900). Eine Null kennt das Hebräische nicht.

Die chinesische Schriftsprache verfügt über ein eigenes Ziffernsystem, das aber ebenfalls parallel zur indisch-arabischen Zahlschrift verwendet wird. Ebenso verhält es sich mit der Zahlschrift des Japanischen, die an die des Chinesischen angelehnt ist. Eine ähnliche zweigleisige Praxis ist in Korea und in Thailand gängig. In dem südasiatischen Land werden für den täglichen Gebrauch heute meist arabische Ziffern benutzt. Thailändische Zahlzeichen werden nur noch für Dokumente und Inschriften mit offiziellem oder religiösem Charakter oder mit historischem Bezug verwendet.

Fazit: Grundsätzlich hat sich die arabische Zahlschrift wohl vermutlich tatsächlich weltweit durchgesetzt. Komplett verdrängt hat sie bewährte und über Jahrhunderte zum kulturellen Kern einer Sprachgemeinschaft gehörende Ziffernsysteme nicht. Vielleicht haben die modernen Ziffern die alten Systeme sogar veredelt. Wie das moderne Essbesteck, das in einer Familie täglich benutzt wird, derweil das geerbte Silber in der Schublade liegt und man es nur zu hohen Feiertagen rausholt. (tk)

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