Ist für intersexuelle Sportler eine eigene Kategorie in Planung?

Gibt es bei den Sportverbänden Pläne, das neu deklarierte dritte Geschlecht in die Wettkampfszene einzubinden? Wenn es spezielle Toiletten für diese Menschen geben soll, müsste es ja auch separate Wettkämpfe geben. (Diese Frage hat Roland Seifert aus Flöha gestellt.)

Onkel Max ist sich nicht recht sicher, ob der Leser die Frage ernst meint. Aber Onkel Max nimmt grundsätzlich erst mal jede Frage ernst. Und dem Manne kann geholfen werden. Denn spätestens seit dem Fall der Läuferin Caster Semenya ist das Thema auf der Agenda des Weltsports. Die Südafrikanerin gewann 2009 als 18-Jährige WM-Gold über 800 Meter und fiel damals bereits wegen ihres muskulösen Körperbaus auf. Nach dem deutlichen Sieg ordnete der Leichtathletikweltverband IAAF einen Geschlechtstest an, dessen Ergebnis IAAF- Generalsekretär Pierre Weiss der Presse in etwas kryptischer Form vermittelte: "Es ist klar, dass sie eine Frau ist, aber vielleicht nicht zu 100 Prozent."

Im Endergebnis durfte Semenya, die vor einer Woche angekündigt hat, jetzt auch Fußball zu spielen, weiterhin bei den Frauen starten. In der Folge wurde jedoch 2012 durch das Internationale Olympische Komitee festgelegt, dass Frauen, die bestimmte Grenzwerte an männlichen Hormonen überschreiten, sich einer hormonsenkenden Behandlung unterziehen müssen. Semenya lehnt das strikt ab. Und es ist vielleicht nur eine Übergangslösung. Denn bereits im vergangenen Jahr erklärte der Leiter der wissenschaftlichen Abteilung des IAAF, Dr. Stéphane Bermon, der britischen Tageszeitung "The Guardian", er gehe davon aus, dass innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre eine dritte Kategorie für intersexuelle Athleten etabliert werde. Das größte Hindernis sieht Bermon in der öffentlichen Meinung: "Ich habe das Gefühl, sie ist dafür noch nicht bereit. Wir wollen keine Athleten stigmatisieren. Und wir müssen Rücksicht auf religiöse und kulturelle Befindlichkeiten nehmen. Ich bin also grundsätzlich dafür, aber dafür muss sich in der öffentlichen Meinung etwas ändern."

Wie Bermon weiter ausführt, sei das Problem im Übrigen nicht so marginal wie es nach außen den Anschein habe. "Wir haben eine Menge Athletinnen, die sich in diesem Zustand befinden. Es sind nicht nur die eine oder zwei Sportlerinnen, von denen man in den Medien erfährt. Im weiblichen Spitzensport liegt die Zahl intersexueller Athletinnen 140-mal höher als in der normalen weiblichen Population."

Fazit: Sollte der IAAF irgendwann die Einführung einer dritten Geschlechterkategorie beschließen, wäre der Bann gebrochen, und weitere Weltverbände anderer Sportarten dürften dem Beispiel folgen. (tk)

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