Lassen sich Kassetten noch verwenden?

Zum Thema Nachhaltigkeit habe ich eine Frage: Gibt es noch Verwendungsmöglichkeiten für Musik- oder Videokassetten aus vergangenen Zeiten? (Das möchte Martine Müller aus Flöha wissen.)

Es ist immer bitter, wenn man einen ungenutzten Stapel einst teuer gekaufter Datenträger besitzt, für die sich einfach kein Abnehmer zu finden scheint - dabei kann deren Inhalt ja per se nicht schlecht werden. Was Videokassetten angeht, darf man sich dabei keine falschen Hoffnungen machen: Obwohl sie Filme enthalten, die sicher viele Menschen nach wie vor lieben, bleibt da wohl nur die Recyclingtonne. Die Bildqualität des 1975 erstmals eingeführten VHS-Systems ist bereits der 1995 erstmals eingeführten DVD weit unterlegen, und mit den mittlerweile verbreiteten hochauflösenden Bildformaten beim Streaming kann die Videokassette absolut nicht mehr mithalten. Dazu kommt, dass solche Kassetten aufgrund von Alterungserscheinungen zusätzlich an Qualität verlieren - ihre Produktion wurde daher bereits vor über 20 Jahren eingestellt. Eine gewisse Restnachfrage besteht bestenfalls nach unbespielten, möglichst neuwertigen VHS-Kassetten: Hier steigen sogar die Preise leicht, man bekommt bis zu 5 Euro. Theoretisch kann man natürlich einen alten Videorekorder nach wie vor an einen Fernseher anschließen - vom Fachmann überholte und gut funktionierende Geräte gibt es gebraucht für deutlich unter 100 Euro - und dann Filme auf VHS schauen: Da die Nachfrage tief im Keller ist, bekommt man ganze Filmsammlungen für sehr wenig Geld. Allerdings nehmen die Kassetten, die ja so groß wie ein Buch sind, ziemlich viel Platz weg: Wem es wirklich ums Filmschauen geht, der ist mit Streaming doch in aller Regel besser bedient.

Etwas freundlicher sieht es dagegen bei Musikkassetten aus, die gerade unter jungen Leuten durchaus wieder in Mode geraten! In den letzten Jahren haben sogar viele Indie-Künstler wieder angefangen, neben Vinyl-Schallplatten auch Kassetten mit ihrer Musik zu veröffentlichen. Anders als beim VHS-Video werden Musikkassetten seit der Markteinführung im Jahr 1963 nach wie vor hergestellt. Die Stückzahlen sind seit der Einführung der CD und dem Internet-Stream zwar stark gesunken - der Trend zeigt aber wieder leicht nach oben.

"Gerettet" hat die Kassette in den 90ern und Nullern übrigens das Kinderhörspiel: Viele Familien wollten die Geschichten von Alf, Pittiplatsch oder Benjamin Blümchen, bei denen es weniger auf perfekten Klang ankommt, nicht als teure CD neu anschaffen, sondern haben sie weiter genutzt. Dazu kommt, dass die Kassettengeräte, die sich immer noch in vielen Haushalten finden, sehr robust abspielen - Sprünge und Aussetzer wie bei CDs gibt es etwa beim Autofahren nicht. Viele Menschen verbinden mit dem Kassettenhören daher nostalgische Gefühle, sodass derzeit nicht wenige Jugendliche die alten Sammlungen ihrer Eltern oder Großeltern wiederentdecken und dazu Walkman oder Kassettenrekorder entstauben. Das ist zwar kein ausgesprochener Massentrend, doch mit etwas Glück findet sich durchaus noch jemand, der sich über einen Stapel alter Musikkassetten sehr freut. (tim)

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