Nutzt man in den Arabischen Emiraten Sonnenenergie?

Ich war im vergangenen Jahr in Dubai. Es war in dieser Zeit immer schönes Wetter, nur die Fernsicht war eingeschränkt. Was mir auffiel, ich habe keine Fotovoltaikanlagen gesehen. Liegt es an den reichen Ölvorkommen, dass man keine Solaranlagen errichtet, oder am Sand der Wüste, der eventuell die Glasscheiben zerkratzt und die Wartung oder Errichtung der Anlagen zu teuer sind? Wie kann man in so einem sonnenverwöhnten Land darauf verzichten? Mit Elektroenergie wird schließlich nicht gespart (Bewässerung , überall klimatisierte Räume, volle Beleuchtung). (Diese Fragen hat Siegfried Heret aus Zwickau gestellt.)

Die Infrastruktur in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAR), zu denen auch Dubai zählt, ist recht energieintensiv. Entsprechend lagen die VAR nach den Zahlen der Datenbank "Edgar" (Emissions Database for Global Atmospheric Research) 2015 mit einem CO-Ausstoß von 247 Millionen Tonnen auf Platz 35 der Weltrangliste. Nach dem Pro-Kopf-Ausstoß mit 26,94 Tonnen sogar auf Platz 9 - in enger Nachbarschaft mit anderen Golfstaaten und etwa doppelt so hoch wie 1990. Höchste Zeit also, etwas zu tun. Und sicher, gerade die Bewohner der Arabischen Halbinsel wären schön blöd, wenn sie nicht die täglich auf sie herabbrennende Sonne anzapfen würden. Wo diese Staaten im Geld schwimmen und Sonnenenergietechnologie stetig billiger wird! Warum Öl für den Eigenbedarf verbrennen, wenn man es teurer verkaufen kann?

Und so ist denn auch vor etwa einem Jahr im an Dubai grenzenden, von der Fläche 16-mal größeren Emirat Abu Dhabi das weltweit größte Sonnenkraftwerk in Betrieb gegangen. Wie das Webportal "Energiezukunft" im Juli 2019 berichtete, soll die Fotovoltaikanlage Noor Abu Dhabi künftig 90.000 Menschen mit sauberem Strom versorgen. Die 1177 Megawatt Energie, auf die das Solarkraftwerk ausgelegt ist, reduzieren, nach Berechnungen des Betreibers Emirates Water and Electricity Company, die CO-Emissionen Abu Dhabis um eine Million Tonnen. Das entspricht dem CO-Ausstoß von rund 200.000 Autos. Die Anlage besteht aus 3,2 Millionen Solarpanels, aufgestellt auf einem sechs Kilometer langen, zwischen 630 Metern und 1,66 Kilometern breiten Areal. Räumlich auf Chemnitz übertragen hieße das: Schlosschemnitz, Kassberg, Kappel und Schönau bis zur Autobahnanschlussstelle Chemnitz-Süd wären nordwestlich in einer Linie von der Oper bis zu "Ikea" bebaut mit Fotovoltaikzellen.

Die VAR haben es sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 ihren Energiebedarf zu 44 Prozent aus erneuerbaren Quellen zu decken. Dabei setzt man dort nicht nur auf Fotovoltaik. So gibt es seit 2013 in Abu Dhabi weiter westlich bei der Stadt Zayed auf 220 Hektar direkt neben einer Kamelrennbahn die Sonnenkollektoranlage Shams 1, die mit 250.000 dem Lauf der Sonne folgenden Parabolspiegeln arbeitet. Die leiten die Sonnenhitze auf Kollektorröhren, durch die eine Wärme aufnehmende Flüssigkeit fließt. Die wiederum erhitzt Wasser, das Dampfturbinen antreibt. Die Anlage produziert rund 200 Megawatt Strom. Und in Abu Dhabi liegt mit Masdar City auch die energetisch nachhaltigste Stadt der Welt. Ein Fotovoltaik-Kraftwerk mit zehn Megawatt versorgt die Bevölkerung, hinzu kommt ein Megawatt auf Hausdächern. Den Plan, alle Dächer mit Fotovoltaikzellen auszustatten, verwarf man - wegen des Wüstensandes. Man sah es als einfacher an, regelmäßig Solarzellen abzustauben, die am Boden installiert sind.

Aber auch das kleine Dubai verfolgt seine Projekte - in diesem Jahr will man sieben Prozent des Energiebedarfs aus sauberen Quellen decken, 2030 sollen es 25, im Jahr 2050 sogar 75 Prozent sein. Dort arbeiten 20 Kilometer vom Dubai International Airport landeinwärts bereits die ersten Abschnitte des Mohammed bin Rashid Al Maktoum Solar Parks, der noch in diesem Jahr mit einem Gigawatt Fotovoltaik-Kapazität fertiggestellt werden soll. 213 Megawatt sind bereits am Netz.

2015 hat das Energieunternehmen Dubai Electricity and Water Authority überdies ein Programm aufgelegt, das Unternehmen und Privatleute ermutigen soll, Sonnenkollektoren auf den Dächern ihrer Immobilien zu installieren. Noch freiwillig, sollen derlei Installationen bis 2030 auf allen Gebäuden Dubais Pflicht werden. (tk)

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