Rätselhafter Haken diente zum Halten eines Uniform-Koppels

Onkel Max gibt zu: Er hat nicht "gedient", wie man das lange genannt hat und neuerdings ("Wir. Dienen. Deutschland.") wieder nennt. Die Bundeswehr wollte ihn seinerzeit Mitte der 80er aus gesundheitlichen Gründen nicht als Wehrpflichtigen einziehen. War vielleicht besser so. Für beide.

Einziger Nachteil: Wäre er beim Militär gewesen, hätte er vielleicht gewusst, um was für einen rätselhaften Haken es sich handelt, von dem ihm Wolfgang Flechsig aus Auerbach unlängst Fotos geschickt hatte. Eines davon war vor einer Woche hier zu sehen. Die Ahnung, dass es sich nicht um einen Wandhaken handelt, sondern um etwas zum Annähen, hatte Onkel Max ja schon geäußert. Einige Leserinnen vermeinten denn auch in dem Objekt einen Haken zum Verschließen eines Pelzmantels oder eines Mantels aus anderem, fürs Schneiden von Knopflöchern eher ungeeigneten schweren Stoff zu erkennen - wohl etwa mit einem angenähten Ring passender Größe auf der anderen Seite.

Zu dergleichen mögen die Haken auch benutzt worden sein. Aber dann vermutlich eher als Zweitverwendung. Denn mehrere übereinstimmende Leserzuschriften und ein anschließender Faktencheck im Internet lassen nun keinen Zweifel mehr: Es handelt sich um einen sogenannten Koppelhaken. Einen Haken also, der in einer Uniformjacke so eingenäht wird, dass der hervorstehende Teil unsichtbar, weil verdeckt einen Uniformgürtel an seinem Platz halten kann. Vorzugsweise einen, der nicht nur einem Soldaten, Polizisten oder Feuerwehrmann dort optisch eine Taille verpasst, wo sie hingehört, sondern einen Gürtel, der auch dazu dient, Ausrüstungsgegenstände stets griffbereit daran zu befestigen. Für gewöhnlich gibt es mindestens zwei solcher Haken in jedem Uniformrock. Sie sollen bewirken, dass der auf diese Weise belastete Gürtel nicht herunterrutscht, schreibt André Uebe, Leiter des Sächsischen Rot-Kreuz-Museums im erzgebirgischen Grünhain-Beierfeld. Als Koppelhaken identifizierten auch Peter Demmler aus Chemnitz-Grüna und Josef Cieslizki aus Zwönitz das etwa drei Zentimeter lange Metallteil.

Günter Dunger aus Markneukirchen weiß noch mehr: "Die Initialen ,A & S' stehen für die in Lüdenscheid bis Frühjahr 1992 ansässige Firma Assmann & Söhne, die unter anderem Uniformeffekten, Knöpfe und Beschläge für das Militär herstellte. Ich kenne noch eine Hakenvariante mit einem runden und gewölbten Hakenteil. Der Annähteil hat hier eine mehr quadratische Form. Die Fertigung dieser Erzeugnisgruppe wurde nach Insolvenz von A&S von der Firma Meditec Branscheid, ebenfalls Lüdenscheid, übernommen. Woher ich das weiß? Ich habe diese Haken selbst gefertigt, sowohl bei A & S als auch dann nach meiner Übernahme durch Meditec."

Einige Uniformteile, die A & S vor 1945 für die deutsche Wehrmacht sowie die NSDAP und deren Unterorganisationen fertigte, zeigen Symbole, die heute aus gutem Grund nicht mehr öffentlich gezeigt werden dürfen. Unter einschlägigen Sammlern sind das rege getauschte und gehandelte Objekte. (tk)

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