Rätselhaftes Gestänge dient zur Spureinstellung beim Auto

Was hat es mit den merkwürdigen rot-weißen Messlatten auf sich? Die am 31. August auf dieser Seite erschienene Frage vom "Freie Presse"-Leser Jörg Schönfeld aus Callenberg zu einem Garagenfund, auf dessen Verwendung er sich keinen Reim machen konnte, ist gelöst. Die Zahl derer, die Bescheid wussten, war zwar nicht ganz so hoch wie bei der Frage nach dem Projektoren-Vorschaltgerät vor einigen Wochen. Aber die Tendenz war eindeutig. Bei den beiden "Linealen" handelt es sich um Teile einer Vorrichtung zum Messen und Einstellen von Spur und Sturz der Vorderräder von Kraftfahrzeugen, vereinfacht auch als Achsvermessung bezeichnet. Die genaueste Beschreibung hatte der Chemnitzer Albrecht Klinkig parat: "Das sind Messlatten die zu einem ungarischen Achsmessstand gehören. Ein solcher befand sich ab 1977 im VEB Elan Betriebsteil 12 Waldenburgerstraße in Karl-Marx-Stadt", schreibt er. "Ich selbst habe zwar nicht damit gearbeitet, aber oft zugesehen. Das zu vermessende Auto befand sich dazu auf einer sogenannten Viersäulenhebebühne, sodass beim Anheben des Wagens die Achsen nicht entlastet waren. Die Vorderräder standen auf Drehtellern, die die Betätigung der Lenkung leicht ermöglichten. Besagte Latten wurden je eine vor das Fahrzeug auf sogenannte Ausleger platziert, und die andere zwischen die Achsen auf halbrunde an der Bühne befestigte Metallhalterungen. An den Vorderrädern wurden Projektoren ebenfalls mit Haltern befestigt. Der Projektor war drehbar in der Mitte gelagert. Dadurch konnte das projizierte Dreieck nach vorn und hinten auf die Latten geschwenkt werden. Somit ließen sich die Spurwerte ermitteln. Außerdem gehörten dazu Tafeln zur Feststellung der Sturz-und Nachlaufwerte der Vorderachse."

Aber was bedeuten Spur und Sturz überhaupt? - Die Vorderräder eines Autos mit einer korrekt eingestellten Achse stehen in Fahrtrichtung nicht parallel zueinander auf der Straße, sondern je nach Antriebsart - über Front oder Heck -, bei "Nullstellung" des Lenkrads auf der Vorder- oder Hinterseite der Achse enger zusammen. Das verbessert nicht nur den Geradeauslauf, sondern auch das Kurvenverhalten. Dazu, Letzteres zu optimieren, dient auch die Einstellung des Radsturzes, der in der Regel negativ sein soll. Das heißt, die vier Räder des Autos stehen nicht exakt lotrecht auf der Straße, sondern sie neigen sich minimal zur Wagenmitte. Die Autos stehen etwas "breitbeinig" da. Das wiederum bewirkt eine höhere maximale Seitenführungskraft in Kurven. Wie einzelne Leser am Telefon erläuterten, seien die Achsvermessstationen zu DDR-Zeiten in dem Moment wichtiger geworden, als Autos aus der Sowjetunion, Rumänien und der ÈSSR zum Straßenbild gehörten, bei denen Spur und Sturz eingestellt werden mussten - oder konnten: Beim Trabant etwa war nur die Spureinstellung variabel, der Sturz ließ sich herstellungsbedingt nicht verändern.

Im Übrigen bitte ich um Nachsicht, sollte in diesem Beitrag nicht alles so formuliert sein, wie es in der Fachliteratur für angehende Kfz-Mechaniker stünde. Nach diesem Text soll ja niemand sein Auto einstellen. Und ehrlich gesagt würde ich dergleichen sowieso immer Profis überlassen. (tk)

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