Seit wann gehören "Risiken und Nebenwirkungen" zur Arzneiwerbung?

Durchschnittlich wie oft am Tag wird in den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern ARD und ZDF der Satz "Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker." aufgesagt? Wann wurden diese Angaben zur Pflicht gemacht? Lässt sich daraus abschätzen, welch zusätzlicher Gewinn für die Werbebranche (die ja sicher nach Sekunden abrechnet) seit der Einführung dieser Pflichtangaben aufgelaufen ist? (Diese Fragen hat Andreas Röhr aus Plauen gestellt.)

Beschränken wir uns einfach mal auf die wirklich belastbar beantwortbaren Fragen: Sie haben Recht, in der Fernsehwerbung wird nach Sekunden abgerechnet. Und das sehr variabel. So erhebt zum Beispiel das ZDF-Werbefernsehen im aktuellen Kalenderhalbjahr Monat für Monat stark schwankende Sekundenpreise. Am Samstagnachmittag im Juli zum Beispiel kostete eine Werbesekunde 218 Euro, im Dezember wird zur selben Tageszeit fast das Doppelte verlangt. Die teuersten Werbeplätze, etwa vor dem Wetter, variieren im selben Zeitraum zwischen 764 und 1502 Euro. Wie gesagt, pro Sekunde.

Welcher zusätzliche Gewinn durch besagten Pflichtsatz entstanden ist, lässt sich jedoch schwerlich sagen. Würden die besagten Werbespots durch diesen etwa vier Sekunden langen Satz tatsächlich um vier Sekunden länger, dann ließe sich daraus ja nur etwas über den (Mehr-)Umsatz sagen, den die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten sowie die Produktionsfirmen für Werbefilme damit machen. Nicht aber über den Gewinn. Wie hoch der ist, hängt ganz von der Wirtschaftlichkeit des jeweils beauftragten Unternehmens ab. Da gibt es bekanntlich solche und solche. Letztlich lässt sich aber nicht mal die Frage klären, welche Unternehmen der Arzneimittelbranche ihre Werbeetats einst wegen dieses Pflichtsatzes aufgestockt haben und welche alte Spots so gekürzt haben, dass sie durch den Satz nicht länger werden. Oder heute prinzipiell sagen: "Kein Spot länger als X Sekunden."

Die Frage nach dem berühmten Satz "Zu Risiken und Nebenwirkungen ..." kommt übrigens gerade zu einem Jubiläum: Am 19. Oktober war es 25 Jahre her, dass das Heilmittelwerbegesetz in einer neuen Fassung im Bundesgesetzblatt bekannt gemacht wurde. Darin heißt es in Paragraf 4, Absatz 3, dass nach einer an Laien gerichteten Werbung für rezeptfreie Medikamente in audiovisuellen Medien - für rezeptpflichtige Arzneien darf ohnehin nur in Fachkreisen geworben werden - der Satz vor neutralem Hintergrund gut lesbar einzublenden und gleichzeitig zu sprechen ist.

Aber wie oft am Tag das im Fernsehen zu erleben ist? Vielleicht tut sich ein Leser ja mal einen ganzen Tag das Werbefernsehen von ARD oder ZDF an, führt Strichliste und teilt seine Beobachtungen danach Onkel Max mit? (tk)

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