Warum fängt keine deutsche Postleitzahl mit "05..." an?

Warum gibt es keine Postleitzahlen in Deutschland, die mit "05..." beginnen? Alle anderen sind vergeben ... (Diese Frage hat Ingo Schroll aus Wilkau-Haßlau gestellt.)

Die ersten beiden Ziffern unserer fünfstelligen Postleitzahl werden als sogenannte Leitregion bezeichnet. Theoretisch möglich sind demnach 100 solcher Leitregionen von "00" bis "99". Allerdings blieben vier dieser 100 möglichen ungenutzt, nicht nur die "05". Die "00" wollte man aus optischen Gründen nicht verwenden, sollte es aber eng werden, ist auch diese möglich. Derzeit ist die niedrigste reguläre PLZ des am 1. Juli 1993 bundesweit eingeführten fünfstelligen Systems die 01067 und liegt in Dresden.

Die "11" wurde lange nicht verwandt, ist aber im Zuge des Umzuges der Bundesregierung nach Berlin 1999/2000 für einige Behörden vergeben worden. Der Bundestag adressiert zum Beispiel unter "11011 Berlin". Die "43", die in Nordrhein-Westfalen läge, ist ebenfalls nicht vergeben worden.

Das Gleiche trifft auf die "62" zu, die dem Großraum Frankfurt am Main zugerechnet wäre ebenso wie die "05", die sich im Großraum Leipzig-Halle befinden würde. Diese drei sind ganz einfach in Reserve gehalten worden. Die "62" dient im internen Postgebrauch inzwischen aber auch zur Bezeichnung des Internationalen Postzentrums (IPZ) in Frankfurt am Main, in dem Post aus dem und in das Ausland bearbeitet wird.

Die Reserven im deutschen Postleitzahlensystem sollen die Möglichkeit bieten, auf zum Beispiel größere Gebietsreformen wie Zusammenlegungen von Landkreisen oder Bundesländern, reagieren zu können. Das träfe auch auf den Fall stärkerer Veränderungen bei der Bevölkerungszahl zu. Neben den Reserven in den ersten beiden Ziffern gibt es weitere bei den folgenden dreien. Insgesamt sind derzeit rund 28.000 Postleitzahlen vergeben. Damit sind im Moment nicht einmal ein Drittel der 100.000 möglichen ausgeschöpft.

Interessant ist vielleicht noch, dass das deutsche Postleitzahlensystem in seinen Anfängen ein Kind des Zweiten Weltkrieges ist. Während des Krieges stieg das Postaufkommen durch Feldpostsendungen und vor allem Feldpostpäckchen enorm an. Die meisten erfahrenen Postbediensteten, die die Sendungen sortierten, waren bereits zur Wehrmacht eingezogen und durch unerfahrene Postsortierer und sogenannte Fremdarbeiter mit unzureichenden geografischen Kenntnissen ersetzt worden. Das wirkte sich negativ auf die Zustellzeiten aus, woraufhin 1941 zunächst nur für den Paketverkehr ein ein-bis zweistelliges System etabliert wurde, das schließlich 1944 auf den Briefverkehr ausgeweitet wurde und auch besetzte Gebiete einbezog. Der größte Teil des heutigen Sachsens lag damals im Leitgebiet 10. Das System wurde nach dem Krieg in beiden deutschen Staaten weiterverwendet, bis 1961 die Bundesrepublik, 1965 die DDR separate vierstellige Postleitzahlensysteme einführten.

Die DDR setzte dabei auf ein kleinteiligeres System und schöpfte den gesamten numerischen Bereich von 1000er- bis 9000er-Leitzahlen aus, während die an Fläche mehr als doppelt, an Bevölkerung mehr als dreimal so große Bundesrepublik nur die 1000er- bis 8000er-Zahlen verwandte. In beiden Systemen stand ganz vorn Berlin, und danach mäanderte das System unregelmäßig von Norden nach Süden durch.

Nach der Wiedervereinigung 1990 behalf man sich zunächst damit, vor die alten Postleitzahlen je nach vormaligem Teilstaat ein "O" für "Ost" oder "W" für "West" zu setzen. Bis 1974 hatten Sendungen von West nach Ost ein "X" vor der Leitzahl tragen sollen, von Ost nach West eine Null. Letzteres galt grundsätzlich für Sendungen in andere Postbereiche in Europa und Übersee. Ab 1976 einigte man sich wechselseitig auf die Verwendung von "D" und "DDR". (kaip/tk)

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