Warum feiern Mexikaner die Toten?

In Mexiko gibt es "los Dias de los Muertos", "die Tage der Toten", die ausgiebig gefeiert werden. Warum ist das so?

Einmal im Jahr - so liegt dem Fest als Gedanke zugrunde - kommen die Toten aus dem Jenseits zurück und besuchen die Lebenden: Wenn das kein Grund zum Feiern ist! Schon Mitte Oktober beginnen in Mexiko die Vorbereitungen für das fröhliche Fest rund um "los Dias de los Muertos". "Die Tage der Toten" gehören zu den wichtigsten Feiertagen im Land und sind gekennzeichnet durch ein gänzlich anderes Verhältnis zum Tod, als wir es hierzulande kennen.

"Pelona", was so viel wie "Kahlköpfiger" bedeutet, wird der Tod genannt, der nicht als Ende des Lebens betrachtet wird, sondern als Teil von ihm, praktisch als andere Daseinsform. So sind auch "los Dias de los Muertos" keine Trauerveranstaltungen, vielmehr werden die Toten mit Blumen, gutem Essen und viel Musik willkommen geheißen. Auf den Friedhöfen im ganzen Land wird getanzt und gefeiert, Totenköpfe aus Zucker und kleine Marzipansärge versüßen im wahrsten Sinne des Wortes die Feiertage. Überall in den Straßen und Geschäften werden auch Skelette, meist aus Pappmachè, aufgestellt, die mit ganz alltäglichen Dingen beschäftigt sind, Bier trinken zum Beispiel oder Gitarre spielen.

Schon die Azteken ehrten ihre Toten lange bevor die spanischen Eroberer Anfang des 16. Jahrhunderts ins Land kamen. Ursprünglich wurden das kleine Totenfest "Micca-ilhui-tontli" sowie auch das große Totenfest "Hue-micca-ilhuitl" einige Monate früher als heute begangen.

Die christlichen Missionare, die die spanischen Konquistadoren mit ins Land brachten, schafften es zwar nicht, die "heidnischen Bräuche" auszurotten, sehr wohl aber konnten sie diese im Kalender verschieben und so in zeitliche Übereinstimmung bringen mit den christlichen Tagen des Totengedenkens, Allerheiligen am 1. November und Allerseelen am 2. November. Auch heute noch gehört die Zeit vom 31. Oktober bis zum 2. November zu den Hauptfeiertagen, wenn auch die Vorbereitungen schon mitten im Oktober beginnen.

Dennoch sind "los Dias de los Muertos" im Wandel begriffen - das zumindest prangern die Mexikaner an, die einen zu großen Einfluss des US-amerikanischen Halloween-Festes auf ihre Traditionen befürchten, so geistern beispielsweise häufiger Kinder in Halloweenverkleidungen umher. Das hat auch die Unesco erkannt und somit "die Tage der Toten" im Jahr 2003 offiziell in die Liste "Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit" aufgenommen. (csa)

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