Warum fliegen Schwalben bei schönem Wetter hoch?

Wenn ich auf meinem Balkon, fünf Stockwerke hoch, sitze sehe ich die Schwälbchen rumfliegen, auf der Suche nach Insekten. Bei schlechterem Wetter tief, bei schönem Wetter hoch. Unser Balkon befindet sich in Höhe der Baumspitzen. Bei schönem Wetter fliegen die Schwalben das Mehrfache der Baumhöhe drüber. Dort müssen also Insekten fliegen! Meine Frage ist: Warum? Werden sie ungewollt durch die Thermik nach oben getrieben? Dort oben gibt es ja für Insekten, außer Fressfeinden, absolut nichts. (Diese Frage hat Gerrit Messink aus Chemnitz gestellt.)

Eine alte Bauernregel besagt: "Siehst du die Schwalben niedrig fliegen, wirst du Regenwetter kriegen. Fliegen die Schwalben in den Höh'n, kommt ein Wetter, das ist schön." Schwalben taugen also gemäß dieser Regel durchaus als Wetterfrösche.

Doch hinter ihrem Flugverhalten steht nicht etwa eine prophetische Gabe, sondern das vom Wetter abhängige Nahrungsangebot. Denn regnerisches Wetter geht in der Regel einher mit tiefem Luftdruck, und bei dem halten sich Mücken, Fliegen und andere Beute-Insekten der Schwalbe relativ flach über dem Erdboden oder dem Wasserspiegel auf. Die Vögel sind dadurch gezwungen, ebenfalls niedrigere Luftzonen aufzusuchen.

Bei schönem Wetter trägt hingegen die warme und aufsteigende Luft die Insekten in einige Hundert Meter Höhe. Sie wollen da eigentlich nicht hin, denn dort gibt es in der Tat nichts von Interesse für sie, aber als Leichtgewichte haben sie den thermischen Aufwärtskräften einfach nicht genug entgegenzusetzen. Und die Schwalben müssen ihnen folgen, weil sie ja sonst nichts zu fressen hätten.

Für die extremen, bis zu 3000 Meter hohen Ausflüge der schwalbenähnlichen Mauersegler gibt es hingegen eine andere Erklärung. Sie verfolgen dabei tatsächlich das Ziel, mit einen Blick zum Horizont mehr Informationen über das Wetter zu sammeln. Denn als Dauerflieger - sie schlafen sogar in der Luft - liebt der Mauersegler ruhige und klare Hochdruckgebiete mit starkem Aufwind. Regnerischen Tiefdruckfronten geht er hingegen weiträumig aus dem Weg. (jzl)

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