Warum gibt es am Rheinfall keine Schleuse?

Warum wurde am Rheinfall zu Schaffhausen nie eine Schleuse erbaut? (Diese Frage hat Joachim Stark aus Zwickau gestellt.)

Der Rheinfall gilt seit mehr als 100 Jahren als Naturdenkmal. Deswegen ist nie in Erwägung gezogen worden, seinen 23 Meter messenden Höhenunterschied mit einer Schleuse zu überbauen, was ja die Konsequenz gewesen wäre. Was wiederum nicht heißt, dass man sich nicht überlegt hätte, wie er mit Schiffen zu umgehen wäre. So wurde 1913 ein internationaler Wettbewerb zur Planung eines Schifffahrtsweges von Basel bis zum Bodensee ausgeschrieben. Gemäß einem Projektentwurf aus dem Anfang der 60er Jahre sollte der Rheinfall mittels eines 552 Meter langen Schifffahrtstunnels und einer Schleuse hinter dem Schloss Laufen - das bei Schaffhausen linksrheinisch direkt gegenüber und immer noch in Sichtweite des Rheinfalls liegt - umgangen werden. Alle diese Pläne verliefen im Sande, ebenso der, ein Wasserkraftwerk im Verlauf des 150 Meter breiten Katarakts zu errichten. Ein solches findet sich jetzt erst wenige Kilometer flussabwärts in der Rheinschleife bei Rheinau, dort, wo bereits die Rheinmitte die schweizerisch-deutsche Grenze bildet.

Der Rhein misst von der Quelle bis zur Mündung 1233 Kilometer und ist nur auf 884 Kilometern Länge davon überhaupt problemlos schiffbar. Der Bereich, von dem hier die Rede ist, gehört nicht dazu. Die schiffbare Zone beginnt erst ab Rheinfelden bei Basel - mehr als 100 Flusskilometer von Schaffhausen entfernt. Oberhalb gibt es nur Kleinschifffahrt und für diese Slip- oder andere Umsetzungsanlagen, an den Kraftwerken Laufenburg und Eglisau Schleusen. Oberhalb des Rheinfalls ist der Rhein bis zur Brücke bei Neuhausen am Rheinfall für Schiffsverkehr gesperrt. (tk)


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