Warum gibt es keine Alterseinstufung für Druckwerke?

Warum gibt es für Filme eine Alterseinstufung (FSK), aber für Bücher und Zeitschriften nicht? (Diese Frage hat Inge Wünsch aus Neukirchen gestellt.)

Erst mal müssen wir klären, was sich hinter dem Kürzel FSK verbirgt. Die FSK (Freiwillige Selbstkontrolle) ist eine Einrichtung der Filmwirtschaft, die 1948 übergreifend für die britische, die amerikanische und die französische Besatzungszone in Deutschland ihre Arbeit aufgenommen hat und sie nach der Wiedervereinigung 1990 auf die vormalige DDR ausweitete. Getragen wird sie von der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) und hat ihren Sitz in Wiesbaden. Die Hauptaufgabe der FSK besteht in der Prüfung der Altersfreigabe von Filmen, DVDs, Blu-rays und sonstigen Medienträgern, die in Deutschland öffentlich gezeigt werden sollen. Eine Pflicht zur Prüfung durch die FSK besteht nicht, jedoch haben sich die Mitglieder der SPIO dazu verpflichtet, nur von der FSK kontrollierte Produktionen zu veröffentlichen.

Auf der Webseite der FSK, die zur Prüfung der Bewegtbilder etwa auch von Videospielen rund 250 speziell ausgebildete und branchenfremde Ehrenamtler beschäftigt, wird als Anliegen der FSK "die wirksame Durchsetzung der im Grundgesetz verankerten Meinungs- und Informationsfreiheit, insbesondere der Presse- und Kunstfreiheit, in Abwägung mit anderen Grundrechten, wie dem Grundrecht von Kindern und Jugendlichen auf körperliche, geistige und seelische Unversehrtheit" genannt. Insofern werden Filme et cetera vor allem darauf überprüft, ob sie geeignet sind, "die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu beeinträchtigen." Darunter fallen Inhalte, die "die Nerven überreizen, übermäßige Belastungen hervorrufen, die Fantasie über Gebühr erregen, die charakterliche, sittliche (einschließlich religiöse) oder geistige Erziehung hemmen, stören oder schädigen oder zu falschen und abträglichen Lebenserwartungen verführen".

Als "schwer jugendgefährdend" gilt darüber hinaus unter anderem die Verherrlichung von Krieg, Volksverhetzung, Anleitung zu Straftaten, Pornografie sowie die Darstellung sterbender Menschen in einer die Menschenwürde verletzenden Art und Weise. Die Grundsätze der FSK legen überdies fest, dass Geschmack und persönliche Anschauung des Prüfenden keine Rolle bei der Bewertung und Alterseinstufung eines Filmes spielen dürfen.

Aber wozu der ganze Aufwand? Anliegen der Gründer der FSK war es, eine staatliche Reglementierung der Filmwirtschaft zu vermeiden, da, so der Jurist und FSK-Mitbegründer Horst von Hartlieb, "eine staatliche Filmkontrolle immer die Gefahr in sich birgt, zu einer Politisierung zu führen". Man vergesse nicht: Das Grundgesetz, das die Zensur ausschließt, galt erst ab 1949.

Und warum gibt es derlei nicht für Druckwerke? Weil die Buch- und Periodikaverlage keine FSK gegründet haben, die bei der zu prüfenden Materialfülle wohl auch einen immensen Aufwand bei geringen Resultaten mit sich brächte. Hier wird der Jugendschutz gewährleistet, indem die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien Bücher, Magazine, Tonträger et cetera auf Antrag von Jugendämtern und Trägern der Jugendhilfe auf mögliche Jugendgefährdung prüft. Rechtsgrundlage ist auch hier das Jugendschutzgesetz. (tk)

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