Warum sind heute alle Zahnpastatuben aus Kunststoff?

Warum wurden Zahnpastatuben aus Aluminium vor Jahren durch Tuben aus Kunststoff ersetzt, und warum kehrt man im Zeitalter der Vermeidung von Kunststoffabfällen nicht zur bewährten Verpackung zurück? Außer vielleicht Kostenersparnis fallen mir keine anderen Gründe ein, zumal Aluminiumtuben für Lebensmittel nach wie vor üblich sind. (Diese Frage hat Gunter Stoll aus Chemnitz gestellt.)

Die Zahnpastahersteller sind nach Aussage des Gesamtverbandes der Aluminiumindustrie (GDA) vor allem aus marketingtechnischen Erwägungen von der reinen Aluminiumtube abgekommen. Statt eines unansehnlichen Leichtmetallwickels, zu dem eine Alutube irgendwann zwangsläufig wird, wollen sie lieber, dass ihre Marke auf Dauer in voller Schönheit auf der Badezimmerkonsole prangt. Deswegen sind heute ja auch die meisten derartigen Gebinde als Standtuben konzipiert. Hinzu komme, dass Aluminium verglichen mit Kunststoff ein verhältnismäßig teurer Werkstoff ist. Aluminium ist übrigens bis heute weiter in dem enthalten, was Herr Stoll als Kunststofftube bezeichnet. Denn die ist in den meisten Fällen eine sogenannte Laminattube, in der zwischen zwei Kunststoffschichten eine dünne Schicht Aluminium klebt. Eine Verbundverpackung, die sich laut Gregor Spengler, Bereichsleiter Verpackungen beim GDA, nur sehr aufwendig recyceln lässt - im Gegensatz zur Tube aus reinem Aluminium.

Hinzu kommt wohl: Die Nachfrage nach Zahnpasta wächst nur im selben Maß wie die Bevölkerung. Insofern dürfte als Nebeneffekt der Kunststofftube den Herstellern der Umstand nicht unwillkommen sein, dass man sie im Gegensatz zur Alutube nie ganz leer bekommt. Gerade ältere Menschen bringen bisweilen nicht mehr so viel Kraft und motorisches Geschick auf, den letzten Strang Zahnpasta - oder Haftcreme - aus der Schulter, wie der Übergang vom Hals der Tube zu deren Korpus heißt, herauszudrücken. Viel bleibt oft ungenutzt drin. Und je eher die Tube als leer gilt, desto eher muss eine neue her.

Allgemein ist die Recycelbarkeit von Aluminium besser als die von Plastik. Dennoch sind auch ihr Grenzen gesetzt. Aluminiumtuben enthalten auch andere Metalle, die ihre Gebrauchseigenschaften verbessern. Gleiches gilt in anderer Zusammensetzung für Alu-Folien, Spraydosen et cetera. Da im Recycling aber nur nach Material sortiert wird, nicht nach Nutzung, entsteht bei der Schmelze eine Legierung, die sich zur Herstellung von Verpackungen nicht mehr eignet. Das ist aber Spengler zufolge kein Problem. Da die Nachfrage nach recyceltem Aluminium weit höher sei als das Angebot, bleibt es auf jeden Fall im Stoffkreislauf. Schon, weil das Umschmelzen von Altaluminium 95 Prozent weniger Energie benötigt als das Verhütten des Metalls aus dem Erz Bauxit.

Im Übrigen ist die Aluminiumtube aus dem Alltag nicht wegzudenken. Produkte etwa, die flüchtige Stoffe enthalten wie medizinische Kosmetik oder edle Künstlerfarben, die nicht vor Gebrauch mit Luft in Berührung kommen sollen, schützt sie besser als Plastik. Für Lebensmittel wie Senf oder Tomatenmark gilt das noch aus einem anderen Grund: Alutuben kann man pasteurisieren, Kunststofftuben nicht. (tk)

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