Warum verbergen Angeklagte vor Gericht ihr Gesicht?

Mit welchem Recht dürfen Angeklagte bei Gerichtsverhandlungen ihr Gesicht verstecken? Ich war selbst zu DDR-Zeiten als Schöffin tätig, kenne aber diese Dinge nicht. (Diese Frage hat Hannelore Schmidt aus Chemnitz gestellt.)

Was Sie sehen, sind Foto- oder Filmberichte vor Beginn des eigentlichen Gerichtsverfahrens. Während dessen Verlaufes sind Filmen und Fotografieren in Deutschland verboten. Auch jeder Angeklagte hat das Recht am eigenen Bild, darf also selbst bestimmen, wer ihn fotografiert oder filmt und die so entstandenen Bilder veröffentlicht. Das indes ignorieren viele Medien, insofern ist das eine Schutzreaktion der Betroffenen. Zudem gilt in Deutschland die Unschuldsvermutung: Wer nicht rechtskräftig verurteilt ist, hat als unbescholten zu gelten. Aber selbst ein freigesprochener Angeklagter sieht sich dem lateinischen Grundsatz "aliquid haeret" ausgeliefert: etwas bleibt immer hängen. Und damit das, was hängenbleibt, nicht mit seinem Bild verknüpft wird, tut er gut daran, sein Äußeres zu verbergen. (tk)

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