Warum weichen Sonnenauf- und -untergangszeiten voneinander ab?

Mir fällt seit Jahren auf, dass die Angaben für Sonnenauf- und -untergang zwischen zentralen Kalendern und Angaben in der "Freien Presse" unterschiedlich stark abweichen, etwa früh 15 Minuten und abends 12Minuten. Dreht sich die Erde unterschiedlich schnell? (Diese Frage hat Gerhard Frömmer aus Chemnitz gestellt.)

Onkel Max hält es nicht für sinnvoll, hier dem konkreten Einzelfall nachzugehen. Denn es ist hilfreicher, allgemein zu erklären, warum die Tageslichtdauer in Deutschland auch an ein und demselben Tag an unterschiedlichen Orten unterschiedlich lang sein kann. Ja, das ist wirklich so! Allgemein bekannt ist ja, dass die deutlichen Differenzen der Tageslängen im Laufe eines Jahres von der Umlaufbahn der Erde um die Sonne abhängen. Die Nordhalbkugel ist wegen der Erdneigung ein halbes Jahr lang der Sonne zugeneigt (Sommer) und ein halbes Jahr von ihr weg (Winter). Aber genau das bewirkt auch, dass regional der Tag unterschiedlich lang ist. Heißt es auch, die Sonne gehe im Osten auf und im Westen unter, so ist das nur eine grobe Faustregel. Denn wirklich exakt ist das nur zu den Tagundnachtgleichen so. Also um Frühlings- und Herbstanfang, wenn die Dämmerungslinie exakt von Norden nach Süden verläuft. Da sind in der Tat überall in Deutschland Tag und Nacht gleich lang. Auch wenn der Begriff ja eigentlich bedeutet, dass Tag und Nacht gleich lang sind: je zwölf Stunden.

Aber zum Beispiel am 21. Dezember, dem kürzesten Tag des Jahres, geht die Sonne zuerst in Berchtesgaden überm Südostzipfel Bayerns auf (7.53 Uhr) und zuletzt über Nord- und Ostfriesland (8.44 Uhr). Aber sie geht zuerst über der Uckermark und auf Usedom (15.44 Uhr) unter und zuletzt überm Breisgau (16.37 Uhr). Was zur Folge hat, dass an diesem Tag in Freiburg im Breisgau die Sonne 42 Minuten länger am Himmel steht als in Frankfurt (Oder).

Wer darin einen Beweis für die dauernde Benachteiligung Ostdeutschlands erkennt, der irrt. Denn dafür bleibt es am 21.Juni am Nordende der deutsch-polnischen Grenze 45Minuten länger hell als an den badisch-elsässischen Rheinufern. Denn an diesem längsten Tag im Jahr geht über Usedom die Sonne zuerst auf und zuletzt über Baden. Aber über Südostbayern geht sie zuerst unter, zuletzt über der Deutschen Bucht. Daher kommt es eben auch, dass Sonnenauf- und -untergangszeiten regional morgens und abends verschieden stark von zentralen Werten abweichen. (tk)

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