Was für ein Lichtband zog da Ende Mai über den Himmel?

In der Nacht vom 24. zum 25. Mai konnten wir in Lungkwitz bei Kreischa (Landkreis Sächsische Schweiz/Osterzgebirge) nach Mitternacht am Himmel ein Phänomen beobachten, das wir noch nie gesehen hatten und das für uns nicht erklärbar ist. Über den Zenit zog ein schmales leuchtendes Band, wie ein Zug von einzelnen Sternen und viel langsamer als eine Sternschnuppe. Es war so unglaublich, dass wir uns gegenseitig versichern mussten, dass es keine Täuschung war. Was kann das gewesen sein? (Diese Frage hat Heiko Reinhold aus Stollberg gestellt.)

Es handelt sich in der Tat um ein bislang einmaliges Phänomen, das es so nie zuvor gegeben hat - das sich in den nächsten Jahren aber häufiger wiederholen dürfte. Und das nicht unbedingt zur Freude von Astronomen und Hobby-Sternguckern. Am 24. Mai nämlich schoss das private US-amerikanische Unternehmen Space X eine erste Serie von 60 kleinen Starlink-Satelliten ins All. Das Starlink-System soll in wenigen Jahren überall auf der Welt einen verlässlichen Internet-Zugang ermöglichen.

Hinter Space X steckt der südafrikanischstämmige, kanadisch-US-amerikanische Investor und Unternehmer Elon Musk, der auch durch die Beteiligung an der Gründung des Internet-Bezahlsystems Paypal und mit dem Elektroautohersteller Tesla bekannt geworden ist.

In der ersten Ausbaustufe des Starlink-Satellitensystems sollen bis 2021 insgesamt 1584 Satelliten in 550 Kilometern Höhe stationiert werden. Doch das ist noch nicht alles: Im zweiten Schritt folgen weitere 2825 Satelliten in 1100 bis 1325 Kilometern Höhe und schließlich in der letzten Ausbauphase noch einmal 7518 Satelliten in 340 Kilometern Höhe.

Da jeweils 60 Satelliten mit einer einzigen Trägerrakete ins All befördert werden, bewegen sich diese zunächst wie Perlen auf einer Schnur nahe beieinander um die Erde - und eben diese Perlenkette aus Satelliten haben Sie, Herr Reinhold, beobachtet. Innerhalb von Tagen verteilen sich die Satelliten dann auf ihre unterschiedlichen Umlaufbahnen. Jeder einzelne Satellit hat offiziell unbestätigten Angaben des US-Fachjournalisten Tom Nardi zufolge etwa die Grundfläche eines Mittelklasseautos und ist rund 30Zentimeter hoch. Wobei die entfalteten Solarzellen die Ausdehnung noch einmal deutlich steigern würden.

All das sind auch Gründe, warum die Astronomen davon nicht begeistert sind. Denn mit insgesamt knapp 12.000 Satelliten verdreifacht sich damit die Zahl der im erdnahen Raum kreisenden Körper. Schon heute müssen die Himmelsforscher bei Beobachtungen von der Erde aus auf störende Satelliten achten - das wird künftig erheblich aufwendiger. Insbesondere Weitwinkel-Teleskope, die beispielsweise nach Asteroiden und Kometen suchen, werden erheblich durch Satelliten beeinträchtigt, die durchs Bild ziehen.

Der Astronom Cees Bassa vom niederländischen Institut für Radioastronomie hat ausgerechnet, dass man nach vollständigem Ausbau des Starlink-Netzes bis zu 100 Satelliten am Nachthimmel sehen kann - zu jeder Zeit und an jedem Ort! (rk/tk)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...