Was für Kugeln hängen da im Baum?

Was sind das für Bäume auf dem Foto, das wir im vergangenen Winter gemacht haben, und woher stammen die Kugeln in den Ästen? (Diese Fragen hat Holger Gödickmeier aus Burkhardtsdorf gestellt.)

Bei den Bäumen handelt es sich - soweit man das aus einem Winter-Foto ohne Blätter ableiten kann - vermutlich um Linden, und die werden oft von pflanzlichen Parasiten heimgesucht, die man als Kugeln in den Ästen sieht: die Misteln. Sie können ihre Nährstoffe nicht aus dem Boden ziehen, weswegen sie einen Baum anzapfen müssen, der das kann. Zwischen Mai und Juli vollziehen ihre Blätter und Zweige täglich kleine Drehbewegungen, und dadurch entsteht ihr kugeliger Wuchs.

In der Regel muss man sich keine Sorgen machen, dass ein Baum durch die Schmarotzerkugeln in seinen Ästen ernsthaft Schaden nimmt. Denn das wäre ja nicht im Sinne des Parasiten, der auf einen gesunden Wirt als Nährstofflieferant angewiesen ist. Zum Problem wird Mistelbefall erst, wenn die betroffenen Bäume bereits geschwächt sind. Beispielsweise durch Streusalz oder lang anhaltende Trockenheit.

Es bleibt in diesen Tagen nicht aus, auch die kulturhistorische Bedeutung des Mistelzweigs zu erwähnen. Denn der wiederum ist in zahlreichen Ländern zum botanischen Bestandteil der Weihnachtstradition geworden - sowohl als Symbol der Fruchtbarkeit, als auch zur Abwehr gegen böse Geister und Dämonen. Zudem dient er als Raumschmuck, unter dem Liebende sich küssen sollten. Diese Tradition ging im viktorianischen England so weit, dass es Männern erlaubt war, jede Frau zu küssen, die sich unter den Mistelzweig stellte und es dem Aberglauben nach den Frauen Unglück brachte, die solcherlei Avancen abwiesen. Auf die Tradition des Küssens unterm Mistelzweig verweisen bis heute zahlreiche weihnachtliche Popsongs. Eines der jüngsten Beispiele ist der Song "Mistletoe" (2011) von Justin Bieber. (jzl/tk)

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