Was hat Sachsen mit Angelsachsen, Niedersachsen und Anhalt zu tun?

In welcher Beziehung steht der Name "Sachsen" zu den Begriffen Angelsachsen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Sachsen? (Diese Frage hat Harald Jope aus Rochlitz gestellt.)

Bei der Antwort auf diese Frage müssen wir chronologisch vorgehen. Da wären zunächst die Sachsen. Nicht die, die heute den Freistaat bevölkern und den Rest der Republik zum Teil durch ihren Dialekt und durch ihr Wahlverhalten irritieren, sondern der westgermanische Völkerverband, der sich um das 3. und 4. Jahrhundert aus den Stämmen der Chauken, Angrivarier und Cherusker bildete. Letztere kennt man aus der siegreichen Schlacht gegen die Römer unter Feldherr Varus im Teutoburger Wald, im Jahr 9. Die Sachsen lebten im heutigen Nordwestdeutschland und im Nordosten der heutigen Niederlande. Deswegen nennen Historiker diese Region heute Altsachsen. Zu ihnen gesellten sich im 4. Jahrhundert die weiter nördlich siedelnden Angeln. Im 5. Jahrhundert machten sich Teile von ihnen gemeinsam auf, Britannien zu besiedeln. Sie vermischten sich mit der keltisch-romanischen Bevölkerung besagter Inseln. Es blieb gleichwohl beim Namen Angelsachsen.

Der Begriff "Niedersachsen" kam erst knapp 1000 Jahre später in Gebrauch und bezeichnete seit dem 14. Jahrhundert das Herzogtum Sachsen-Lauenburg, das sich von der Weser bis Ostmecklenburg und von Ostholstein bis in die Gegend um Göttingen erstreckte. Er hob sich ab vom Begriff "Sachsen-Wittenberg", ein direkt angrenzendes Territorium, das neben dem heutigen Freistaat Thüringen, Teile von Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Vorpommern und Pommern umfasste. Beide Gebiete wurden ab etwa 1500 zu Reichskreisen. Sachsen-Wittenberg verkleinerte sich später auf die weitgehend dem heutigen Sachsen entsprechende Mark Meißen. Was heißt: Dieses Sachsen geht nicht auf eine Wanderung der Sachsen zurück. Es war vielmehr bevölkert von Slawen, Thüringern sowie hessischen und fränkischen Immigranten. Ganz tapfer müssen wir feststellen: Die älteren, "wahren" Sachsen sind rein territorial die heutigen Niedersachsen.

Der Name "Sachsen-Anhalt" ist ein Kind der Nachkriegszeit. Im Juli 1944 wurde die vormalige preußische Provinz Sachsen, bestehend aus den Regierungsbezirken Magdeburg, Merseburg und Erfurt, aufgeteilt. Es entstanden die Provinzen Magdeburg und Halle-Merseburg. Der Regierungsbezirk Erfurt wurde dem Reichsstatthalter Thüringen unterstellt. Nach Kriegsende 1945 vereinigte die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) die Provinzen Magdeburg und Halle-Merseburg, den Freistaat Anhalt (um Dessau), sowie weitere westlich gelegene Exklaven zur neuen Provinz Sachsen. Der Name wurde im Oktober 1946 in Provinz Sachsen-Anhalt geändert. Ab 1947 wurde diese zum Land Sachsen-Anhalt - mit Halle als Hauptstadt. 1952 wurde das Land im Zuge der DDR-Verwaltungsreform praktisch wieder aufgelöst und in die Bezirke Halle und Magdeburg aufgeteilt, bis 1990 das Land Sachsen-Anhalt neu erstand. (tk)

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