Was ist der Unterschied zwischen Heiler und Heilpraktiker?

(Diese Frage hat Bärbel Keller aus Chemnitz gestellt.)

Die Berufsgruppe, die in der Frage als Heiler bezeichnet wird, wird noch etwas gängiger als Geistheiler bezeichnet. So darf sich im Grunde jeder nennen, der sich dazu berufen fühlt, andere Menschen mit ihren ganz besonderen, übernatürlichen Fähigkeiten von Leiden aller Art zu befreien - oder auch nur von ihrem Geld, wenn sie ihre vermeintlichen übernatürlichen Fähigkeiten überzeugend darzustellen wissen. Er braucht dazu keine bestimmte vorgeschriebene Ausbildung, noch muss er eine Prüfung ablegen. Aber er darf auch nur Handlungen vollziehen, die darauf abzielen, den eigenen Gesundungswillen des Kranken zu stärken. Auf keinen Fall darf er den Eindruck erwecken, seine Behandlung ersetze den Besuch beim Arzt oder Heilpraktiker. Darauf muss ein Geistheiler immer hinweisen. Tut er das nicht, ist Vorsicht geboten.

Geistheilung ist ein Oberbegriff für eine Vielzahl unterschiedlicher alternativmedizinischer, esoterischer, religiöser oder magischer Behandlungsmethoden, bei denen ein geistiger, religiöser oder psychischer Einfluss heilende Wirkung auf den Kranken hat und die sich nicht in die wissenschaftliche Medizin oder die klassische Psychotherapie einordnen lassen. Behandlungsmethoden, die der Geistheilung zugeordnet werden, sind zum Beispiel: Gebetsheilung, Handauflegen, Reiki, Schamanismus, Seelsorge. Einem Gerichtsurteil von 2014 zufolge benötigen "Wunderheiler" in Deutschland keine Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz. Die Tätigkeit ist von der Berufsfreiheit geschützt und rein rechtlich kein Beruf der Heilkunde. Denn dies setze voraus, dass die von ihm ausgeübte Tätigkeit neben Heilung auch "nennenswerte gesundheitliche Schädigungen verursachen" könne. Was bei von Geistheilern angewendeten Verfahren aber nicht der Fall sei. Langer Rede kurzer Sinn: Was der Geistheiler tun darf, hilft vielleicht nix, schadet aber auch nicht.

Womit wir bei Heilpraktikern wären. Vom Arzt oder Psychotherapeuten unterscheidet ihn, dass für ihn keine bestimmte Ausbildung vorgeschrieben ist und er die Heilkunde ohne staatliche Zulassung, also Approbation, ausübt. Seine Befugnisse sind durch Gesetze und Verordnungen gegenüber denen des Arztes stark eingeschränkt. So darf er keine verschreibungspflichtigen Medikamente verordnen oder Geburtshilfe betreiben, auch bestimmte Infektionskrankheiten darf er nicht behandeln.

Voraussetzung für die Erlaubnis der Tätigkeit als Heilpraktiker, das ist der Unterschied zum Geistheiler, ist eine staatlich geregelte Prüfung, deren schriftlicher Teil in allen Gesundheitsämtern einheitlich und gleichzeitig durchgeführt wird. Themen sind Anatomie, Physiologie, Physiopathologie, Klinisches Grundwissen, Notfallmedizin, Techniken der klinischen Befunderhebung, Injektions- und Punktionstechnik, Blutabnahme, Hygiene, Desinfektion, Sterilisation, Grundlagen der Naturheilkunde, Berufs- und Gesetzeskunde. Nach bestandener schriftlicher Prüfung erfolgt eine mündliche Prüfung durch das jeweilige Gesundheitsamt als staatlich beauftragte Behörde. Die berufsmäßige Ausübung der Heilkunde, ohne als Arzt approbiert zu sein, ist nur mit dieser Erlaubnis zulässig. Anders als der Arzt unterliegt der Heilpraktiker nicht der Schweigepflicht, und seine Dienste bezahlt die Kasse nicht. Viele Krankenversicherungen bieten für derlei allerdings Zusatzversicherungen an. (tk)

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