Was unterscheidet Sympathie von Empathie?

Mir ist aufgefallen, dass das Wort "Sympathie" im heutigen Sprachgebrauch sehr wenig beziehungsweise kaum noch verwendet wird, stattdessen hört und liest man ganz oft das Wort "Empathie". Wie kommt das, obwohl die Bedeutung dieser Worte doch völlig unterschiedlich ist? (Diese Frage hat Angelika Sachse aus Hartmannsdorf bei Chemnitz gestellt.)

Sympathie, Antipathie, Empathie, Homöopathie, Apathie und Pathologie - alles Fremdwörter, die auf das griechische páthos zurückgehen. Es bedeutet "Leidenschaft, Gefühl, Schmerz" und wurde gegen Ende des 17. Jahrhunderts als Fremdwort erstmals im Deutschen verwendet.

Etwa zeitgleich drang auch Sympathie aus dem Griechischen über das lateinische sympathia in den deutschen Sprachgebrauch ein. Griech. "sym-" bedeutet "mit", Sympathie ist also Mit-Leiden, Mit-Gefühl, gleiche Empfindung. Wer Sympathie empfindet, hat eine positive Einstellung gegenüber einer anderen Person, sie ist einem sympathisch. Dieses Adjektiv wurde im 17.Jahrhundert aus dem französischen "sympathique" übernommen. Googeln wir heute nach Sympathie, so werden uns rund 13 Millionen Treffer geboten.

Ein neueres von páthos abgeleitetes Wort ist die Empathie, hier werden wir bei Google nur fünf Millionen Mal fündig. Dieses Wort gab es zwar auch schon im Altgriechischen, allerdings mit der Bedeutung "intensive Gefühlsregung, Leidenschaft", also eigentlich ein Synonym zu páthos. Im Neugriechischen dann hat es eine Bedeutungsverengung im Sinne von "Voreingenommenheit, Feindseligkeit, Gehässigkeit" erfahren. Das entspricht in etwa unserer Antipathie.

Reden wir aber heute im Deutschen von "Empathie", setzen wir weder die altgriechische, noch die neugriechische Bedeutung um. Empathie ist im aktuellen deutschen Sprachgebrauch die Fähigkeit des Menschen, sich in andere Menschen einzufühlen. Im 19. Jahrhundert wurde aus griech. en- "(dr)in" und páthos der Terminus Empathie gebildet, er wurde benötigt für die Fachsprache und soll 1848 erstmals von dem deutschen Philosophen und Mediziner Rudolf Hermann Lotze (1817 - 1881) verwendet worden sein.

In der Folgezeit befassten sich vor allem englische Wissenschaftler mit dem psychologischen Phänomen der Einfühlung, so zum Beispiel bei der Rezeption Sigmund Freuds. Seinen Begriff "Einfühlung" übertrugen sie ins englische "empathy". Da die englische Sprache um diese Zeit bereits einen großen Einfluss auf die deutsche hatte, kam "Empathie" auf diese Weise als Entsprechung zu "empathy" (wieder) ins Deutsche zurück. Dass es das Wort dank Lotze schon gab, war sekundär.

Als Fazit kann man also anhand der rein sprachlichen Merkmale, hier das "mit", da das "in", aber wohl auch aus der allgemein menschlichen Erfahrung heraus, konstatieren, dass Empathie noch ein Stück tiefer geht als Sympathie. Letztere kann ja durchaus auch oberflächlich ausfallen. Fest steht jedenfalls: Sympathie ohne Empathie ist möglich, Empathie ohne Sympathie eher nicht. (rg)

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