Was wachsen da für Gräser auf dem Vorplatz des Binzer Bahnhofs?

Seit unserem letzten Urlaub in Binz auf Rügen beschäftigt mich die Frage: Wie heißt dieses Ziergras mit Namen, das wir an der Ostsee gesehen haben? Vor dem Binzer Bahnhof habe ich es fotografiert. (Diese Frage hat Tim Krause aus Burkhardtsdorf gestellt.)

Onkel Max hat mehrere Experten zu der abgebildeten Graslandschaft befragt, und dabei zeigte sich, was für eine Detektivarbeit botanische Bestimmung sein kann. Zumal sich am Bahnhofsvorplatz in Binz, wo das Foto entstanden ist, offenbar kultivierte mit wilden Pflanzen vermischt haben. So hat der auf Rügen arbeitende freiberufliche Naturführer René Geyer bei den "roten Knöpfchen" zunächst an den Großen Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) gedacht. Diese ausdauernde, krautige Pflanze bildet Blütenstände aus, die in der Tat an das erinnern, was auf dem Foto zu sehen ist. Der Haken daran: Der Große Wiesenknopf wächst üblicherweise bevorzugt auf fetten Nass- und Moorwiesen. Und in Strandkurorten wie Binz, so der ehrenamtliche Naturschutzwart, finde man eher nährstoffarme Bodenbedingungen vor.

Doch möglicherweise haben sich die Bodenverhältnisse am Bahnhofsvorplatz von Binz mittlerweile verändert. Denn dort setzte man seinerzeit, wie Lutz Reuter von der Gemeindeverwaltung zu berichten weiß, neben einigen Solitärgräsern vor allem Riesenfedergras (Stipa gigantea) und das dünnblättrige Federgras (Stipa tenussima). Das sind beliebte Ziergräser, die man auch bei Gärtnereien und im Pflanzenversand erhält, und damit hätte man eine Erklärung für die großen Federbüschel auf dem Bild. Der Haken daran wiederum: Diese Pflanzen bilden keine roten Blütenköpfchen an langen Stangen aus, sondern sie blühen in weiß-silbrigen Rispen.

Möglich wäre aber, dass sich durch die Federgrasbepflanzung die Bodenverhältnisse so geändert haben, dass sich dann dort doch der Große Wiesenknopf ansiedeln konnte. Auf dem Foto sind zwar seine grünen und gefiederten Laubblätter nicht zu erkennen, doch das kann daran liegen, dass sie von den kräftigen Grasbüscheln verdeckt werden. Denn der Große Wiesenknopf wird mitunter gar nicht so groß, wie es sein Name verspricht: Gerade wenn der Boden nicht optimal für ihn ist, begnügt er sich auch mit einer Höhe von gerade mal 30 Zentimetern.

Sicher ist also: Bei den Grasbüscheln handelt es sich um einen Federgras-Mix. Und bei den roten Köpfchen könnte es sich tatsächlich um den Großen Wiesenknopf handeln - doch das ist spekulativ. Vielleicht schaut der Leser bei seinem nächsten Aufenthalt in Binz zwischen den Grasbüscheln nach, ob er dort grüne, gefiederte Laubblätter ausfindig machen kann. (jzl)

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