Welcher schönen Pflanze sind wir da in den Alpen begegnet?

Vor einiger Zeit waren wir im Urlaub im Trentino. Bei einer herrlichen Alpenblumenwanderung fiel uns die wunderschöne Blume auf dem Foto auf. Obwohl wir schon oft in den Alpen zum Urlaub waren, hatten wir sie bislang dort noch nie gesehen. Wir haben im Internet recherchiert und fanden nur ähnliche Arten unter den Namen Steppenkerze und Kleopatranadel. Da stimmt aber die Farbe nicht. Wie heißen diese herrlichen Blumen? (Diese Frage hat Gudrun Schüten aus Chemnitz gestellt.)

Laut Thomas Wilhalm vom Naturmuseum Südtirol in Bozen, wo sich Onkel Max der Region halber erkundigt hat, handelt es sich bei der Blume um den Großfrüchtigen Affodill (Asphodelus macrocarpus Parl. subsp. Macrocarpus). "Er gehört", wie der Botaniker weiterhin ausführt, "zur gleichnamigen Familie der Affodillgewächse, die man im weitesten Sinne zu den Lilien zählen kann". Ihre bevorzugten Standorte seien die brachliegenden Bergwiesen in den Südalpen und Südeuropa.

Die stärkehaltigen Knollen der Affodillgewächse wurden früher im Mittelmeerraum mit Getreide vermischt und zum Brotbacken genutzt. Da sie Bitterstoffe enthalten, sind sie nur gekocht oder geröstet genießbar. In Italien wickelte man früher Burrata, einen Frischkäse, in die grünen Blätter der Pflanze - als Qualitätsindikator: Waren sie welk, war auch der Käse nicht mehr gut. In der griechischen Mythologie galt der Affodill als Zeichen der Trauer und des Todes, er wurde auf Gräbern gepflanzt und Toten mitgegeben. Bei Homer hieß es, er gedeihe auch in der Ödnis des Totenreiches. Der griechische Dichter bezeichnete die Unterwelt des Hades - in Anlehnung an den griechisch-lateinischen Namen der Pflanze - als "Asphodelenwiese".

In der Welt des Fantasy-Romanhelden Harry Potter ist die Affodillwurzel eine Zaubertrankzutat. Sie dient fein zerkleinert als Ingredienz für einen starken Schlaftrunk, der deshalb "Trank der lebenden Toten" genannt wird. Harry lernt schon in seinem 1. Schuljahr die Wurzel kennen, obwohl das Brauen des Zaubertrankes erst Unterrichtsstoff der 6. Klasse ist. So stellt Professor Snape dem Erstklässler die Frage, was für ein Trank entsteht, wenn eine geriebene Affodillwurzel zu einem Wermutaufguss hinzugegeben wird. Die tatsächliche pharmakologische Wirkung beschränkt sich indes auf Wundheilung und Anwendung bei Hautkrankheiten. (jzl/tk)

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