Wem gehört die Insel vor Kuba, die Fidel Castro 1972 Honecker schenkte?

1972 schenkte Fidel Castro Erich Honecker (bzw. der DDR) eine Insel. Wem gehört jetzt diese Insel? Wieder Kuba? (Diese Frage hat Peter Kühn aus Chemnitz gestellt.)

Beim Staatsbesuch am 19. Juni 1972 in Ost-Berlin "schenkte" Kubas Regierungschef Fidel Castro der DDR die rund sieben Quadratkilometer große, unbewohnte Insel Cayo Blanco del Sur ("weiße Insel des Südens"). Zu Ehren des früheren KPD-Chefs Ernst Thälmann (1886 - 1944) wurde am 28. Jahrestag seiner Ermordung im Konzentrationslager Buchenwald, dem 18. August 1972, vor Ort eine Büste enthüllt und das Eiland erhielt per Präsidentenerlass 3676/72 den Namen "Thälmann-Insel". Es handelt sich um ein gewundenes, mehrere Kilometer langes, an der schmalsten Stelle keine 100 Meter breites gewundenes Eiland im Südwesten der Zuckerinsel, direkt vor der Küste des Nationalparks Ciénaga de Zapata.

Die Verantwortlichen in Havanna bestreiten allerdings bis heute, dass das Archipel jemals offiziell an die DDR abgegeben wurde. Es habe sich lediglich um einen symbolischen Akt gehandelt und keinen Gebietstransfer. Eine verbindliche, völkerrechtlich anerkannte Übertragung habe nie stattgefunden. Auch im deutsch-deutschen Einigungsvertrag ist von der DDR-Kolonie in der Karibik keine Rede.

Vermutlich hatte die "Schenkung" für den ausgefuchsten Revolutionsführer einen ganz praktischen Grund. Im Gegenzug erhielt er von Honecker sechs Prozent der Weltmarktanteile an der Weißzuckerproduktion, die sich zuvor im Besitz der VEB Nordsternzuckerwerke in Halle (Saale) befanden. Auch nach dem Zerfall des Ostblocks profitierte Kuba von diesem Recht und konnte Zucker auf dem europäischen Binnenmarkt anbieten. (mioss)

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