Wer forscht daran, wie Wildbestand ohne Jagd zu begrenzen ist?

Gibt es wissenschaftliche Forschungen zur alternativen, das heißt, nicht auf Jagd beruhender Dezimierung das Ökosystem gefährdender, überhandnehmender Wildtierbestände in Europa? (Diese Frage hat Manfred Sonntag aus Oberlungwitz gestellt.)

Es wird derzeit in der Tat intensiv untersucht, wie man Wildbestände ohne Jagd unter Kontrolle bringen kann. Allerdings weniger im Hinblick auf Wald und Flur, als vielmehr im Hinblick auf besiedelte Gebiete, weil dort ja in der Regel nicht gejagt werden darf.

Zu den untersuchten Methoden gehört, wie Sven Herzog vom Lehrstuhl für Wildökologie und Jagdwirtschaft der TU Dresden erklärt, "das Verabreichen kontrazeptiver, also Schwangerschaft verhütender Medikamente". Dies kann übers Futter oder über Impfungen erfolgen. Problematisch an dieser Methode ist allerdings, dass dabei biologisch aktive Substanzen in die Natur eingebracht werden, deren Verbreitung danach nicht mehr vollständig kontrolliert werden kann. "Was passiert beispielsweise, wenn andere Tiere, etwa Wölfe, derart behandelte Tiere fressen?" gibt Herzog zu bedenken. "Hier sind noch zahlreiche Fragen offen."

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Wildscheine in großen Fanganlagen, sogenannten Schwarzwildfängen, zu fangen und darin zu töten. "Dieses Vorgehen bringt allerdings große Tierschutzprobleme mit sich", warnt Herzog. Denn die Tiere gerieten in Panik, oft käme es zu Verletzungen. "Warum es derzeit gerade in Sachsen erlaubt werden soll, ist daher unverständlich", wundert sich der Wildökologe.

Zudem sollte man seiner Meinung nach trotz aller Vorbehalte gegenüber der Jagd nicht vergessen, dass bei ihr die Tiere im Idealfall schmerzlos getötet werden. Außerdem stünden sie danach auch als Lebensmittel zur Verfügung, was etwa bei einer Bestandskontrolle über kontrazeptive Hormone nicht mehr möglich ist. (jzl)

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