Wie baute man im Mittelalter Burgbrunnen?

Vor wenigen Wochen stand ich auf dem Kyffhäuser vor dem "tiefsten Burgbrunnen der Welt". Ich bewundere die Leistung, die von den armen Menschen erbracht wurde, die an diesem Projekt mitgearbeitet haben. Wie kamen die Leute bei zunehmender Tiefe da runter und wie wieder hoch? War dort unten genügend Sauerstoff zum Atmen? Wie wurde der Abraum beseitigt? Gibt es Berichte über diese Zeit? (Diese Fragen hat Horst Hofmann aus Litzendorf im Landkreis Bamberg gestellt.)

Zunächst wollen wir etwas den Rekord präzisieren, den der Brunnen der Reichsburg Kyffhausen hält. Es handelt sich mit 176 Metern Tiefe um den tiefsten freigelegten Burgbrunnen der Welt. Der allertiefste, aber komplett verschüttet, gehört mit 197 Metern zur anderthalb Autostunden entfernt gelegenen Burgruine Regenstein bei Blankenburg im sachsen-anhaltinischen Harzvorland. Direkte Berichte über den damaligen Brunnenbau in Thüringen hat Onkel Max nicht gefunden, aber zumindest die Datierung, dass der Brunnen vermutlich zwischen 1140 und 1180 in reiner Handarbeit in den Felsen getrieben wurde.

Also zu einer Zeit, als es bereits Kräne gab, die manuell durch Seilwinden mit sternförmigen Speichen, Kurbeln und Schwungrädern angetrieben wurden. Und die waren sowohl für den Transport der Brunnenbauarbeiter auf die Sohle geeignet, als auch für den Abtransport des Abraums. Dabei konnte es sich im Zweifel sogar schon um die Vorstufe der Hebetechnik handeln, die später für den Betrieb des Brunnens sowieso benötigt wurde.

Viel spannender noch als diese Frage ist aber tatsächlich die Frage, wie die Brunnenbauer dort unten mit Frischluft versorgt wurden. Denn da unten wird die Luft tatsächlich dünn. An der Lösung sieht man, dass die Menschen damals schon eine recht fortgeschrittene Kenntnis von physikalischen Gesetzen hatten. Oft wurde nämlich der bereits gehauene Brunnenschacht durch eine senkrechte Holztrennwand geteilt. Die reichte bis fast auf den Boden und wurde an den Wänden mit Stroh und Pech so gut es ging abgedichtet. Dann wurde in der Brunnenhälfte, in der gerade nicht gearbeitet wurde, eine Feuerstelle eingerichtet. Durch den Kamineffekt sorgte das Feuer in dem so entstandenen U-förmigen Luftkanal für stetige Frischluftzufuhr.

Übrigens war auch der Brunnen in der Burg Kyffhausen jahrhundertelang verschüttet. Im Zuge der Freilege- und Konservierungsarbeiten, die der Deutsche Reichskriegerbund (Kyffhäuserbund) als Eigentümer des Areals anstrengte, wurde ab 1934 auch der Brunnen wieder zugänglich gemacht. Er hat einen Durchmesser von zwei Metern und wird durch Sickerwasser gespeist. Durch eine Felsspalte, die das überschüssige Wasser ablaufen lässt, wird der Pegel darin konstant bei neun Metern gehalten. Bei stetiger Zufuhr führte der Brunnen also nach Zylindervolumenformel stets rund 28.000 Liter Wasser. (tk)

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