Wie kann ein Baum mit einem anderen verwachsen?

Bei uns in Hartenstein habe ich einen besonderen Baum gesehen. Es sind zwei Stämme, die aus einer Wurzel raus wachsen. In zirka drei Metern Höhe wächst aus einem Stamm ein Ast, der dann in den anderen Stamm wieder reinwächst (siehe Foto). Wie kann so etwas passieren? (Diese Frage hat Horst Lindner aus Hartenstein gestellt.)

Dass die Stämme und Äste eines Baums oder auch von unterschiedlichen, aber artgleichen Bäumen miteinander verwachsen, kommt immer wieder vor. Man findet dieses Phänomen der "Symphyse" bzw. "Inosculation" (oft auch mit "k" geschrieben) gerade bei Buche, Platane, Ahorn und Linde. Voraussetzung ist, dass die betreffenden Baumteile nahe beieinander sind und immer wieder Kontakt miteinander haben. Und ihre Rinde muss ausgedünnt sein, was etwa bei Ästen dadurch geschehen kann, dass sie durch den Wind fortwährend aneinander reiben. Ihre Rinde löst sich dann im Laufe der Zeit auf, sodass ihr Kambium, also die Wachstumsschicht oberhalb des Splintholzes freigelegt wird. Das Kambiumgewebe der beiden Äste verschmilzt - und sie verbinden sich dauerhaft zu einem einzigen Ast, in dem sie sich schließlich auch die Wasser- und Nährstoffleitbahnen teilen.

Verwachsene Äste und Stämme können nicht nur faszinierend bis kurios aussehen, sie geben dem Baum auch Stabilität. Umgekehrt nehmen sie ihm aber auch Flexibilität, was dann wiederum bei extrem heftigen Windböen und Regengüssen von Nachteil sein kann.

Manchmal sieht man auch Verwachsungen zwischen unterschiedlichen Baumarten, doch eigentlich handelt es sich dabei nur um gegenseitiges Umarmen. Denn Äste und Stämme wickeln zwar Holz um ihren Nachbarn, doch sie bilden keine gemeinsamen Strukturen und Leitungssysteme aus. Denn das Kambiumgewebe artfremder Bäume kann aufgrund ihrer genetischen Unterschiede nicht miteinander verschmelzen. Man findet solche Pseudo-Verschmelzungen beispielsweise beim Efeu und den von ihm umwickelten Bäumen. (jzl)

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