Wie kommen Wildtiere eigentlich an Speisesalz?

Wie decken Tiere in freier Wildbahn ihren Salzbedarf, speziell solche, die nicht in den Genuss von durch Förster oder Ranger aufgestellte Salzlecksteine kommen? (Diese Frage hat Horst Kleinenschot aus Zwickau gestellt.)

Koch- oder auch Speisesalz, der chemische Fachbegriff lautet Natriumchlorid, ist nicht nur für Menschen überlebenswichtig, sondern auch für Tiere: Sie benötigen es ebenso für die Funktion von Nerven und Muskeln, zur Regulation ihres Wasserhaushalts und zur Steuerung des Stoffwechsels. Für Raubtiere ist das in der Regel kein Problem, da das Fleisch und Blut ihrer Opfer zu den Salzkonzentraten in der Natur zählen. Vegetarier hingegen stehen in der Natur immer knapp an der Grenze zur Unterversorgung, weil die meisten Pflanzen auf natriumarmen Böden wachsen und dementsprechend geringe Mengen des Minerals enthalten: Sie sind daher immer auf der Suche nach zusätzlichen Salz- quellen.

Das können bestimmte Flüsse und Bäche sein, vor allem aber Mineralien - Salz kommt auch hierzulande natürlich in Gestein vor, wenn auch in geringer Konzentration. Rehe etwa lecken daher bei Regen Steine ab, um etwas vom ausgewaschenen Salz zu erhaschen. Eine noch ergiebigere Mineralressource sind die Ausscheidungen von Alles- und Fleischfressern - Schweiß und Urin sind salzhaltig! In der Tundra von Schweden, Finnland oder Sibirien warnen Wildhüter daher davor, im Winter einfach ins Freie zu pinkeln: Der Grund sind die dort heimischen Rentiere, die in ihrer mehr als 3000 Jahre währenden Partnerschaft mit dem Menschen erkannt haben, dass dessen Harn genau das Salz enthält, das sie im Winter so vermissen - weswegen sie sofort reagieren: Sie lecken dann an dem "gelben Schnee" wie an einem Speiseeis und sie sind so versessen darauf, dass sie im Übereifer auch mal ein Zelt oder einen Schlitten zertrampeln, wenn sie dorthin laufen.

Insekten fliegen hingegen - im wahrsten Sinne des Wortes - auf den Schweiß, den Speichel und die Tränenflüssigkeit von Säugetieren. Was man gut im Rinderstall beobachten kann, wenn die Fliegen um die Köpfe der Kühe kreisen, um sich mit Natrium zu versorgen. Und im Sommer kann man es am eigenen Leibe spüren, wenn es überall auf der Haut zu jucken beginnt, obwohl gar keine blutsaugenden Mücken zu sehen sind. Besonders exquisit ist die Salzbeschaffungsmethode der Schmetterlinge von Costa Rica: Sie bedienen sich an den Tränen eines Kaimans. Da sage noch einer, es würde sich niemand wirklich über Krokodilstränen freuen. (jzl)

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