Wie kommt es, dass Kastanien zweifarbig blühen?

Im Schlosspark im Mülsener Ortsteil Thurm bei Zwickau steht eine Kastanie, die weiß und rot blüht. Wie kann es dazu kommen? (Diese Frage hat Jens Schmieder aus Thurm gestellt.)

Es handelt sich bei der rot und weiß blühenden Kastanie um das Ergebnis des sogenannten "Pfropfens", das in der Baum- und Sträucherzucht zum Veredeln durchgeführt wird. Dabei wird das "Edelreis" (meistens ein angespitzter Zweig) der einen Pflanzenart in den Jungstamm einer anderen Pflanzenart eingesetzt, die möglicherweise nicht ganz so edel ist, aber als robuste und kräftige Wachstumsgrundlage für ihren Huckepack-Gast dienen kann. Dabei müssen Pfropfreis und aufnehmender Ast gut passend geschnitten werden; die Wunde wird nach außen hin mit Baumwachs luftdicht abgeschlossen. Dergleichen ist zum Beispiel bei der Obstbaumzucht und im Weinbau ein gängiges Verfahren, um Gehölze zu veredeln.

In diesem Falle wurde offenbar, wie Claus Heuvemann vom Botanischen Garten in Erlangen erklärt, "die rot blühende Kastanie auf der weiß blühenden Kastanie gepfropft". Normalerweise sollte die weiße Art eigentlich nur den Stamm bilden, ohne Blätter. "Aber es können daraus auch einzelne Triebe durchtreiben und Blätter bzw. Blüten bilden", so Heuvemann. "Und so ist das hier geschehen."

Der Gartenbau-Experte empfiehlt, die weiß blühenden Äste zu entfernen, da sie sonst die rot blühenden Anteile der Krone überwuchern könnten. Man könne übrigens auch im Winter feststellen, welche Blütenfarbe die Kastanienzweige zeigen werden. "Die Knospen der weißen kleben", erläutert Heuvemann: "die roten dagegen nicht." (jzl)

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