Wie lang darf man mit einem Testurteil werben?

Wie lange darf man mit Testurteilen zum Beispiel der Stiftung Warentest werben? (Diese Frage hat Frank Dahms aus Annaberg-Buchholz gestellt.)

Das Ansehen der und das Vertrauen in die Stiftung Warentest ist unter den Verbraucherinnen und Verbrauchern ungebrochen. Ein gutes Testergebnis ist deshalb für jedes ausgezeichnete Produkt immer eine Werbung. Bis zum Jahr 2013 mussten Unternehmen eine Aufwandsentschädigung von 500 Euro zahlen, wollten sie mit dem Logo der Stiftung werben. Inzwischen hat die Stiftung Warentest das Verfahren völlig verändert.

Wer mit dem weißen "t" auf rotem Grund werben will, muss jetzt eine Lizenz erwerben. Die vergibt das gemeinnützige "RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung" im Auftrag der Stiftung Warentest. Das Institut besteht seit 1925, RAL ist die Abkürzung für "Reichs-Ausschuss für Lieferbedingungen". Das RAL-Institut vergibt auch das Umweltzeichen "Blauer Engel". Am bekanntesten dürfte es aber wegen der numerischen, mithin unmissverständlichen Definition von Farbtönen sein.

Seit 2013 kann mit dem Logo der Stiftung Warentest nur ein Jahr oder maximal zwei Jahre geworben werden. Die Lizenzkosten richten sich nach der Laufzeit und nach der Art der Werbung. Wer das Logo auf sein Produkt drucken und in Prospekten, Zeitungen und online damit werben will, muss bei einem Jahr Laufzeit 7700 Euro und bei zwei Jahren 11.000 Euro zahlen. Möchten Unternehmen mit dem Logo zusätzlich auch im Fernsehen und im Kino werben, steigt die Lizenzgebühr deutlich: Für ein Jahr werden 18.000, für zwei Jahre 30.000 Euro fällig.

Bei manchen Produkten ist auf Antrag eine Lizenz für maximal drei Jahre möglich. "Hierfür gelten bestimmte Voraussetzungen. Die Stiftung Warentest prüft den Antrag im Hinblick darauf, ob in der Zwischenzeit Änderungen im Prüfprogramm vorgenommen wurden und ob somit eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse aus dem Veröffentlichungsjahr mit den heutigen noch gegeben ist", teilt das RAL-Institut auf Anfrage mit. Bestimmte Produktgruppen sind aber von einer Verlängerung auf drei Jahre generell ausgeschlossen, zum Beispiel Lebensmittel und Tierfutter.

Wie viele Lizenzen die Stiftung Warentest jährlich vergibt und wie viele Gebühren sie dafür einnimmt, veröffentlicht sie jedes Jahr. 2017 waren es fast 700 Lizenzen, die rund 4,7 Millionen Euro einbrachten. Dass die Gebühren seit 2013 so drastisch gestiegen sind, begründet die Stiftung vor allem mit dem Kampf gegen den Missbrauch. Das RAL-Institut ist nämlich nicht nur mit der Vergabe der Lizenzen, sondern auch mit der Verfolgung von Lizenzverstößen beauftragt.

Mitarbeiter des Instituts durchblättern laut Stiftung Warentest jährlich fast 60.000 Prospekte, lesen 160 Zeitungen und 468 Zeitschriften und sehen sich die TV-Werbung in nahezu allen großen Fernsehsendern sowie rund 80 Prozent aller Kino-Spots an. Missbräuchliche Verwendungen werden dann sanktioniert. Allein 272 Lizenzverstöße gab es 2017, darunter 13 Fälle, in denen mit dem Logo geworben wurde, obwohl es nie einen Test des Produkts gegeben hatte. In anderen Fällen wurde das Testlogo nicht nur für das tatsächlich getestete Produkt verwendet, sondern auch für andere. Ein Pfannenhersteller verwendete es zum Beispiel auch für die Töpfe seines Sortiments und verlor damit sofort seine Lizenz.

Der häufigste Verstoß ist allerdings das Werben mit dem Logo, wenn die Lizenz schon abgelaufen ist. Jeder Verbraucher kann aber unter www.ral-logolizenz-warentest.de die Gültigkeit einer Lizenz überprüfen. Jedes Testlogo trägt eine sechsstellige Lizenznummer. Die muss auf der Internetseite nur eingegeben werden und mit einem Klick folgt in Sekunden das Ergebnis. (kaip)

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