Wie ungenau darf eine Herkunftsbezeichnung für Honig sein?

Seit geraumer Zeit wird in Deutschland über die Kennzeichenpflicht von Lebensmitteln debattiert. Das scheint aber nicht für den im Handel angebotenen Bienenhonig zu gelten. Da wird selbst bei angebotenem "Imker-Honig" zu haarsträubenden Formulierungen gegriffen: "Herkunft: Mischung von Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern". Sind solche ungenauen Herkunftsbezeichnungen überhaupt zulässig? (Diese Frage hat Peter Lange aus Gelenau gestellt.)

Dem Bedürfnis vieler Verbraucherinnen und Verbraucher, zu erfahren, wo genau ihre Lebensmittel produziert wurden, steht die deutsche und europäische Rechtslage entgegen. Bislang gibt es nämlich keine generelle Verpflichtung für Hersteller von Lebensmitteln, die Herkunft ihrer Produkte zu kennzeichnen. Es gibt aber Ausnahmen. Unverarbeitetes und verpacktes Fleisch von Rind, Schwein, Ziege und Schaf sowie Geflügel muss zum Beispiel gekennzeichnet sein.

Wird dieses Fleisch aber unverpackt an einer Bedientheke angeboten, entfällt diese Kennzeichnungspflicht. Ausgenommen ist hier nur Rindfleisch. Dessen Herkunftsangabe muss immer erfolgen, solange es unverarbeitet ist. Der Grund ist in der BSE-Krise zu finden, die vor etwa 20 Jahren Europa verunsicherte und die Politik zum Handeln zwang. Das Absurde jedoch: Sobald einem Stück Fleisch auch nur eine Zutat zugefügt wird, zum Beispiel ein Gewürz, gilt es als "verarbeitet", und die Pflicht zur Kennzeichnung der Herkunft entfällt wieder.

Beim Honig hat sich die Politik im Ergebnis eines Aushandlungsprozesses zwischen der Lobby der Verbraucher und der Lobby der vor allem großen Hersteller letztlich nur auf die bekannten, sehr ungenauen Herkunftsangaben geeinigt: aus EU-Ländern, Nicht-EU-Ländern oder eine Mischung. Der Grund dafür, dass einige Hersteller eine genauere Herkunftsangabe vermeiden wollen, liegt darin, dass einer Schätzung zufolge nur etwa 20 Prozent des in Deutschland verkauften Honigs auch in Deutschland produziert werden. Der Rest kommt insbesondere aus Rumänien, Argentinien, Mexiko und auch aus China.

Stünde auf einem Glas Honig zum Beispiel: "Mischung von Honig aus Rumänien, China und Deutschland", könnte sich das schlechter verkaufen. "Mischung aus EU- und Nicht-EU-Ländern" wirkt da doch wesentlich netter. Doch nicht nur die Angabe der Herkunftsländer wird von Verbraucherschützern gefordert, sondern auch die Angabe der Anteile. Denn die Vermutung besteht, dass so manche Honigmischung nur einen sehr geringen Teil deutschen Honig enthält.

Dieses Jahr wird in Sachen Lebensmittelkennzeichnung im Übrigen noch sehr spannend. Die Europäische Bürgerinitiative "Eat Original. Unmask Your Food" (übersetzt: Iss ursprünglich. Enttarne Dein Essen) will die Angabe der Herkunft aller Lebensmittel in Europa zur Pflicht machen. Und das auch bei den Hauptzutaten verarbeiteter Lebensmittel. Sie hat inzwischen so viele Unterschriften gesammelt, dass sich die Europäische Kommission bis September dieses Jahres zu dieser Forderung verhalten muss. Bis dahin sollten Honigfreunde, die sich hundertprozentig sicher sein wollen, was sie essen, auf das Gütesiegel "Echter deutscher Honig" des Deutschen Imkerbundes achten. Da darf wirklich nur drin sein, was auch draufsteht. Auch die Etikettierung "Herkunft: Deutschland" darf Honig nicht ohne Einwilligung des Deutschen Imkerbundes tragen. Und diese Herkunftsbezeichnung gilt auch für den Honig des Mülsener Imkers Sven Rudolph, der in diesem Frühling einen Teil seiner über 100 Bienenvölker vom Gelände des Chemnitzer Druckzentrums der "Freien Presse" hat ausschwärmen und fleißig Honig sammeln lassen. Der ist in Gläsern über den Onlineshop der "Freien Presse" erhältlich. (kaip/tk )

meinshop/freiepresse.de

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