Wie viel DDR-Geld ist noch in Umlauf?

Zum 30. Mal jährt sich in diesem Jahr die Währungsunion. In meinem Besitz finden sich noch 192 Ost-Mark. Kann man heute noch sagen, wie viel DDR-Geld damals eigentlich nicht in "West" umgetauscht worden ist? (Diese Fragen stellte Pier Demmler aus Johanngeorgenstadt.)

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) als Rechtsnachfolgerin der früheren Staatsbank der DDR konnte diesen Wert auf Nachfrage tatsächlich recht genau bestimmen: Demnach sind 1990 bei der Währungsumstellung Banknoten im Nennwert von 600 Millionen sowie Münzen im Nennwert von rund 960 Millionen Mark der DDR nicht zurückgeflossen. Bei den Münzen handelt es sich dabei sowohl um herkömmliches "Handgeld" als auch um Sonder- und Gedenkmünzen aller Art. Im Verhältnis zur Menge an DDR-Geld, das eingesammelt und später vernichtet wurde, doch übersichtlich: Allein in Banknoten kam da ein Nennwert von rund 75 Milliarden zusammen, in Münzen noch mal rund 50 Milliarden. Im Umlauf geblieben sind also etwa 1,2 Prozent des DDR-Geldes - entweder als Andenken, weil auf Sammlerwert spekuliert wurde oder das Geld schlicht in einem Versteck vergessen worden war.

Wobei das noch nichts über die Vermögen auf den Bankkonten aussagt, weil in einem Währungssystem nicht jeder Vermögenswert auch als Bargeld im Umlauf ist. Umgekehrt stellte sich bei der Währungsunion heraus, dass in den Reservoirs der DDR-Staatsbank eine Unmenge nicht in Umlauf gebrachter Banknoten lagerte, Geld also, das de facto gar keines war: Allein 44 Milliarden Noten hatte man als verschlissen aussortiert, aber einfach noch nicht vernichtet. Dazu kam fertig gedrucktes, aber nie verwendetes Notengeld, etwa 500-Mark-Scheine.

Der Umtausch erfolgte 1990 zudem nicht in bar, sondern nur über ein Konto - dazu musste man mit seinem Sparbuch auf die Bank. Der Kurs war für Nicht-DDR-Bürger mit Ostgeldkonto 1:3, für DDR-Bürger 1:2. Zusätzlich gab es Freibeträge: Kinder durften 2000, Erwachsene 4000 und Erwachsene über 60 bis zu 6000 Ostmark zum Kurs von 1:1 in West tauschen. Schulden wurden halbiert. Löhne, Gehälter, Mieten, Pachten und Renten wurden dagegen 1:1 auf "West" umgestellt.

Da viele Menschen natürlich direkt das neue Westgeld auch abheben wollten, mussten mit der Währungsunion vom 1. Juli 1990 rund 25 Milliarden bare D-Mark in der DDR verteilt werden - rund 600 Tonnen Banknoten und rund 400 Tonnen Münzen. Umgewertet wurden mit dem "Währungssilvester" rund 50 Milliarden Ostmark. "Restgeld", das man danach noch in Sparstrümpfen fand, konnte noch bis 1993 gewechselt werden- seitdem ist Schluss. Wer also noch altes DDR-Geld hat, muss schon einen Sammler finden, der bereit ist, dafür Euro auszugeben. Das ist allerdings abgesehen von raren Sammlermünzen oder exotischen Geldscheinen unwahrscheinlich.

Das DDR-Münzgeld, insgesamt rund 4500 Tonnen Metall, wurde übrigens eingeschmolzen und großteils als Aluminiumbarren der Auto-Industrie zugeführt. Als kniffliger erwies sich die Entsorgung der rund 6000 Tonnen Papiergeld: Eigentlich hatte man die Noten bei Halberstadt in einem stillgelegten Bergwerk eingeschlämmt und versiegelt - Gutachter waren davon ausgegangen, dass dieses Erbe der DDR dort schnell verrotten würde. Als jedoch im Jahr 2001 überraschend Scheine auf Sammlerbörsen auftauchten, die nie regulär in Umlauf gewesen waren, kam man nicht nur Stollen-Einbrechern auf die Schliche, sondern auch dahinter, dass das DDR-Papier doch nicht so schlecht war wie gedacht - viele Milliarden waren noch intakt und mussten erst gereinig und dann im Braunkohlewerk Buschhaus bei Helmstedt verbrannt werden. (mqu)

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