Wie wechseln E-Loks an Grenzbahnhöfen das Stromsystem?

Die Deutsche Bahn hat Züge im internationalen Verkehr. So von Dresden nach Prag oder nach Frankreich, oder über Österreich nach Italien. Mir geht es um solche Zugverbindungen, bei denen bei Grenzübergang zu anderen Bahnverwaltungen die Elektro-Lokomotiven mit einer anderen Spannung versorgt werden. Wie viele solche Übergänge mit einer anderen Stromversorgung gibt es, und wie sind die anderen Spannungen mit der deutschen am Übergang vereinbar? Gibt es Loks und Triebwagen, die den Strom selbst umformen oder müssen die Loks gewechselt werden? (Diese Fragen hat Gerhard Kießig aus Zschopau gestellt.)

Aus historischen Gründen gibt es in Europa unterschiedliche Bahnstromsysteme, die im grenzüberschreitenden Bahnverkehr aber keine großen Probleme bereiten, mal abgesehen von einem höheren Aufwand an Zeit beim Wechsel von Lokomotiven und den Kosten sogenannter Mehrsystemlokomotiven, die in mehreren Ländern fahren können.

In Europa gibt es derzeit im elektrifizierten Langstreckenverkehr vier maßgebliche Stromsysteme. In Deutschland fahren elektrische Lokomotiven und Triebwagen mit 15 Kilovolt Wechselstrom, genauso wie in Norwegen und Schweden sowie in der Schweiz und in Österreich. Im grenzüberschreitenden Verkehr mit den beiden letztgenannten Ländern gibt es also keine Probleme.

Belgien, Polen und Teile Tschechiens sowie der Slowakei fahren mit drei Kilovolt Gleichstrom. Im grenzüberschreitenden Bahnverkehr gibt es deshalb sogenannte Systemwechselbahnhöfe, die beide Bahnstromsysteme vorhalten. Belgische Loks nutzen hierfür zum Beispiel den Bahnhof Aachen. Auf der Strecke Berlin-Warschau wird in Frankfurt/Oder gewechselt und in Richtung Tschechien und Slowakei im sächsischen Bahnhof Schöna.

Die Niederlande fahren mit 1,5 Kilovolt Gleichstrom genauso wie das südliche und das zentrale Frankreich. Der Systemwechselbahnhof im Verkehr mit den Niederlanden ist Bad Bentheim. Im nördlichen Frankreich und in dem an Deutschland angrenzenden Teil des Landes herrschen dagegen 25 Kilovolt vor. Einen Systemwechselbahnhof gibt es zum Beispiel in Kehl am Rhein.

Der Wechsel von Lokomotiven passiert wie folgt: Eine belgische Elektrolokomotive zum Beispiel rollt in den Bahnhof Aachen ein und wird dort von ihrem Zug abgekoppelt. Eine deutsche Lokomotive übernimmt diesen Zug dann für die Weiterfahrt. In Aachen sind für solcherlei Übergaben drei Gleise des Bahnhofes umschaltbar ausgerüstet. Sie verfügen über 15 Kilovolt Wechselstrom und drei Kilovolt Gleichstrom.

Noch einfacher ist es bei Verwendung von Zwei- oder Mehrsystemlokomotiven. Wie der Name schon sagt, sind diese so ausgelegt, dass sie nicht nur innerhalb eines Bahnstromsystems fahren können. So verkehrt die Zweisystemlokomotive der Baureihe 181 seit mehreren Jahren zwischen Deutschland und Frankreich. Die deutsche Elektrolok der Baureihe 189 ist sogar in allen vier europäischen Bahnstromsystemen einsetzbar. Und auch vom Schnellzug ICE verfügt die Deutsche Bahn über 13 Einheiten, die mit diesen vier Stromsystemen fahren können. Sie werden auf Strecken nach Belgien, Frankreich und in die Niederlande eingesetzt. (kaip)

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