Wie werden Daten zum Wetter langfristig erhoben?

Fast monatlich erfährt man, dass schon lange bestehende meteorologische Rekorde wie Durchschnittstemperatur, Sonnenscheindauer und andere gebrochen wurden. Daher meine Frage, wie werden die Daten ermittelt? Für einen genau definierten Punkt wie die "Zugspitze" kann ich mir das relativ einfach vorstellen. Doch wie ermittelt sich ein Wert für ganz Deutschland? Und wie wurden die Temperaturwerte seit dem Beginn der regelmäßigen Messung im Jahr 1871 ermittelt? (Diese Fragen hat Christoph Büchner aus Zwickau gestellt.)

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) verfügt heute über 182 Messstationen, in denen - über das Land verteilt - meteorologische Werte wie etwa Temperatur und Anzahl der Sonnentage gesammelt werden. Sie machen das, wie Anja Juckeland von der DWD-Niederlassung in Leipzig betont, "rund um die Uhr und auf einem hohen technischen Niveau". Hinzu kämen fast 2000 nebenamtlich oder ehrenamtlich geführte Stationen, deren Werte ebenfalls ins Datennetz rund um das Wetter eingespeist werden. Mittlerweile wird also das Wetter hierzulande geografisch wie auch zeitlich sehr engmaschig erhoben. Und dies gilt auch für andere Industrienationen. Doch das war natürlich nicht immer so.

In Deutschland begannen die systematischen und flächendeckenden Wetteraufzeichnungen 1881, und da gab es natürlich weniger Wetterstationen als heute. Dennoch gibt es einige Standorte, wie in Frankfurt oder Leipzig, schon sehr lange, aus ihren Daten kann man also schon ablesen, wie sich das Klima über die letzten Jahrzehnte entwickelt hat. Wobei es einige Probleme zu berücksichtigen gilt.

So waren die Messgeräte damals noch nicht elektronisch, die Temperaturen etwa wurden noch per Quecksilberthermometer gemessen. Der DWD betreibt deshalb sogenannte Klimareferenzstationen, in denen die Vergleichbarkeit von früheren und aktuellen Messsensoren bewertet wird. Dazu hat man beispielsweise die alten Quecksilberthermometer und die modernen Temperatursensoren über mehrere Jahre parallel betrieben. Mit dem Ergebnis, dass es durch den Übergang zur Elektronik offenbar zu keinen systematischen Veränderungen der Messungen gekommen ist.

Ein weiteres Problem: Rund um die Mess-Standorte sind Veränderungen eingetreten, die einen Vergleich alter und neuer Werte eigentlich nicht mehr zulassen. So kann es sein, dass eine Station, die früher auf dem Lande war, heute inmitten von Beton und Asphalt steht, was zu einer Erwärmung führt, die nichts mit den Klimaveränderungen zu tun hat. Doch dieser "Wärmeinseleffekt" wird in den Messreihen berücksichtigt, oder aber ausgeschlossen, indem man die Station zu einem Ort in der Nähe umsiedelt, an dem ähnliche Bedingungen herrschen wie am Ursprungsort.

Man kann also die aktuellen Warnungen zur Erwärmung in Deutschland durchaus ernst nehmen, sie basieren auf einer soliden Datenlage. Der aktuelle Stand: Mit einer Mitteltemperatur von 10,3 °C war das Jahr 2019 zusammen mit 2014 das bisher zweitwärmste in Deutschland beobachtete Jahr seit dem Beginn regelmäßiger Aufzeichnungen im Jahr 1881. (jzl)

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