Wo gab es große Höhlen-Rettungsaktionen?

Mit Freude und großer Erleichterung haben im August Menschen weltweit die Nachricht von der spektakulären und dramatischen Rettung der in Thailand in einer Höhle eingeschlossenen jungen Fußballspieler aufgenommen. Hat es irgendwann schon mal eine vergleichbare Rettungsaktion gegeben? (Diese Frage hat Dieter Morgenstern aus Flöha gestellt.)

Rettungsaktionen, die an natürlichen Höhlen stattgefunden haben, hatten im Verlauf der vergangenen 100 Jahre meines Wissens nur das Ziel, einen bis maximal sechs dort Eingeschlossene zu bergen. Erweitern wir den Begriff etwas, fallen mir zwei von der Zahl der geretteten Personen her vergleichbare Ereignisse ein, die sich allerdings beide in der Welt des Bergbaus zugetragen haben.

Das erste: In diesen Tagen vor genau 55 Jahren blickte die ganze durch Massenmedien informierte Welt auf die niedersächsische Gemeinde Lengede. Am 24. Oktober 1963 hatte sich in der Grube Mathilde des dortigen Eisenerzbergwerks ein Grubenunglück ereignet. Ein zu nah am Schachtsystem eingerichteter Klärteich war eingebrochen, und rund 475.000 Kubikmeter Wasser und Schlamm strömten in die Grube, die von der 100-Meter-Sohle bis zur 60-Meter-Sohle komplett überflutet wurde. Von den zu diesem Zeitpunkt 129 unter Tage tätigen Männern konnten sich in den ersten Stunden 79 selbst retten. Zehn weitere Bergleute wurden nach verschiedenen Suchbohrungen binnen der folgenden vier Tage gerettet. Der Verbleib 40 weiterer Bergleute war zu diesem Zeitpunkt unklar. Es handelte sich um die gesamte Belegschaft des Reviers Osten 92. Über Tage hoffte man, sie hätten sich in den Alten Mann gerettet - ein Gebiet, das entsteht, wenn ein Abbaufeld ausgeerzt ist und sich selbst überlassen wird. Es fällt in sich zusammen, weshalb es untersagt ist, Bruchfelder zu betreten. Am Abend des 2. November forderten die Bergleute bei einer Begehung der bereits wieder zugänglichen 60-Meter-Sohle den Bergwerksdirektor mit großem Nachdruck auf, in diesem Bruchfeld nach Eingeschlossenen zu bohren. Am 3. November, wurde 4Uhr morgens mit der Suchbohrung begonnen. Bald stieß der Bohrer in 56 Metern Teufe in einen Hohlraum. Nach 10 bis 15 Minuten ständigen Klopfens an das Bohrgestänge kamen erste schwache Antwortzeichen von unten, es befanden sich also Überlebende in der Bruchhöhle. Eine Zettelverbindung schaffte Klarheit: 21 Bergleute hatten sich zehn Tage zuvor in den Alten Mann gerettet; elf lebten noch. Zehn waren in der Zwischenzeit von herabfallenden Gesteinsbrocken erschlagen worden. In den folgenden drei Tagen wurde unter Aufbietung aller erdenklichen technischen Mittel die Rettung vorbereitet. Im Zuge der Rettungsbohrung, die der Sicherheit der in dem brüchigen Hohlraum Eingeschlossenen Vorrang einräumen sollte, wurden diese zunächst mit dem Lebensnotwendigsten versorgt. Schließlich holte man sie mit der sogenannten Dahlbusch-Bombe, einem zugespitzten, von der Seite begehbaren Rohrelement, das an einem Seilzug in die Grube abgelassen wurde, nach 13 Tagen wieder ans Licht. In die Bergbaugeschichte ging die Aktion ein als das "Wunder von Lengede". Das allerdings begünstigten mehrere Zufälle: das Vorhandensein eines genügend großen Hohlraums, von Luft, vermutlich durch eine gebrochene Pressluftleitung, und Wasser. Zufall war auch dass der Hohlraum gefunden wurde und dass ein Kompressor zum Spülen des Bohrlochs mit Pressluft - Wasser war zu riskant - mit der nötigen Kapazität kurzfristig verfügbar war. Das Gerät war damals eine technische Neuheit. Und doch: Bei drei der 28 später tot geborgenen Bergleute - ein weiterer wurde nie gefunden - wurde anhand des Bartwuchses festgestellt, dass sie nach dem Unglück noch bis zu 14 Tage gelebt haben müssen. 15 waren gleich am Tag des Wassereinbruchs ertrunken.

Eine weitere Rettungsaktion hat sich mindestens so stark wie das Wunder von Lengede ins Kollektivgedächtnis einer Nation eingeprägt. Die Rede ist von Chile. Am 5. August 2010 brach im Kupfer- und Goldbergwerk San José infolge eines Bergschlags eine in die Tiefe führende Wendelstrecke ein. 33 Bergleute waren daraufhin in 700 Metern Tiefe gefangen. Sie suchten einen Schutzraum auf, hielten sich aber wegen der besseren Luftzirkulation auch auf der Strecke auf. Nach Wasser konnten sie mit vorhandenen Maschinen graben und hatten kleine Essensvorräte, die sie sich streng einteilten. Sofort veranlasste Suchbohrungen zeitigten am 8. August Erfolg: Ein Bohrer traf einen 688 Meter tief gelegenen Hohlraum. Klopfzeichen von oben wurden erwidert, und am Ende des wieder herausgezogenen Bohrgestänges hatten die Bergleute einen Beutel mit schriftlichen Lebenszeichen befestigt. Die eingeschlossenen Bergleute wurden durch die Bohrung mit dem Notwendigsten versorgt, bis sie - allerdings erst rund zwei Monate später - durch eine neue Bohrung mit größerem Durchmesser gerettet werden konnten. Auch in diesem Fall mit der Dahlbusch-Bombe, allerdings einer technisch wesentlich weiterentwickelten Version namens Phoenix 2. Sie hatte Wechselsprechanlage, autonome Atemluftversorgung und seitliche Rollen. Gebaut hatten die Kapsel Ingenieure der chilenischen Marine mit Unterstützung der US-Raumfahrtbehörde Nasa.tk

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