Wo hatten die Indianer ihre Tomahawks her?

Wer hat die Hieb- und Schlagwaffen der Indianer, zum Beispiel Keulen und Tomahawks, hergestellt? Ich glaube nicht, dass die Indianer Schmiede hatten oder sonst in der Bearbeitung von Metall bewandert waren. Haben das die "Weißen" auf Bestellung hergestellt gegen gute Bezahlung in Gold ? (Diese Fragen hat Wolfgang Weigel aus Lauter-Bernsbach gestellt.)

Nein, Waffenschmiede im herkömmlichen Sinn waren die amerikanischen Ureinwohner wirklich nicht. Metall kannten einige von ihnen zwar: Die Mayas und Inkas in Südamerika etwa bearbeiteten in ihren Hochkulturen Silber, Gold oder Kupfer und stellten auch Bronze her. Doch für wirksame Waffen ist diese zu weich - Eisen und Stahl dagegen brachten erst die Europäer auf den Kontinent. Als Fernwaffen nutzten die Indianer Blasrohre sowie Pfeil und Bogen, Nahwaffen waren vor allem Keulen, die mit Schlagköpfen ausgestattet waren, die als Kugeln gearbeitet waren. Daraus entwickelten sich dann Axtköpfe und damit die nordamerikanischen Tomahawks - der Begriff, übrigens einer der wenigen, die aus der Sprache der Ureinwohner ins Englische übernommen wurden, bedeutet soviel wie "Hammer". Ursprünglich waren die immer beilförmigeren Schlagköpfe der Tomahawks aus Stein oder Obsidian gefertigt. Mit dem Vordringen der Engländer und Franzosen auf dem nordamerikanischen Subkontinent im 18. Jahrhundert kamen die Indianerstämme auch an Metallklingen - man darf nicht vergessen, dass die Europäer damals nicht ausschließlich eroberten, sondern es allein aufgrund ihrer geringen Zahl und der immensen Weite Amerikas auch mit Tauschhandel versuchten. Nach und nach wurden also auch Metallteile in die traditionell gefertigten Waffen eingebaut.

Umgedreht dürfte der Tomahawk die Europäer besonders fasziniert haben, und zwar aus mehreren Gründen. Zum einen war er als handliches, aber auch sehr effektives Schlag- und Wurfbeil eine ausgesprochen wirksame Mehrzweckwaffe, die gleichzeitig als eine Art Multifunktionswerkzeug gute Dienste in der Wildnis leistete. Zum anderen verwendeten die Indianer Tomahawks auch als Zeremoniengegenstand, der oft kunstvoll verziert wurde, es wurden Pfeifen eingearbeitet und Lederüberzüge genäht. Solche Tomahawks waren auch als symbolträchtige Geschenke verbreitet - das sprichwörtliche "Kriegsbeil" wie auch die "Friedenspfeife" gehen auf diese Waffe zurück. Daher waren bei den "Weißen" vor allem echte Tomahawks der Ureinwohner gefragt, deren Herstellung war ein traditionelles Handwerk, das man sicher nicht als "Auftragsfertigung" auslagerte. Umgedreht wurden die Äxte aber natürlich von den Siedlern und später auch von der Armee als Waffe und Werkzeug adaptiert. Wie sehr die US-Amerikaner vom Tomahawk überzeugt sind, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass sie einem ihrer wichtigsten Erstschlagwaffen, dem Raketen-Marschflugkörper BGM-109, diesen Namen verpasst haben.

Im Verlauf der Besiedlung Amerikas haben sich die Ausrüstungen beider Seiten mehr und mehr durchmischt, Indianer kannten und nutzten, so sie denn konnten, auch die Werkzeuge und Waffen der "Weißen", vor allem natürlich Gewehre, aber auch Messer: Letztere kannten die Ureinwohner zwar als Steinversion, doch diese waren den geschärften Stahlklingen der Europäer hoffnungslos unterlegen. Diese konnten Messer im 18. Jahrhundert bereits massenhaft günstig herstellen, wobei deren Vorteil als Werkzeug und Waffen nun wieder den Indianern schnell einleuchtete: Messer waren bei diesen ein äußerst begehrtes Handelsgut - wobei die "Weißen" darauf achteten, möglichst nur minderwertige Ware in die Hände der Ureinwohner gelangen zu lassen, sich diese dann aber möglichst fürstlich bezahlen ließen. (tim)


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