Woher hat der Flohmarkt seinen Namen?

(Diese Frage haben Renate Weiße und ihr Enkel Xaver aus Auerswalde gestellt.)

Diese Frage hat Onkel Max zwar vor elf Jahren schon einmal beantwortet, aber inzwischen hat er einige zusätzliche interessante Informationen zum Thema gefunden. Aber zunächst das Grundsätzliche: Der Name für Märkte, auf denen Gegenstände von Privatleuten für andere Privatleute angeboten werden, geht auf spätmittelalterliche Kleidergaben der Fürsten zurück. Einmal dem Volk überlassen, wurde mit diesen Kleidungsstücken schwunghaft Handel getrieben. Dabei wechselte auch der eine oder andere Floh den Wirt.

Interessant an dieser Bezeichnung ist aber noch etwas: Sie ist in ihrer Wortbildung ziemlich international. Das heißt, obwohl hier letztlich nur noch im übertragenen Sinn von Flöhen als "Beigabe" zu Gebrauchtwaren die Rede ist, anders als auf dem Blumenmarkt, wo man wirklich Blumen bekommt, hat diese Tier-Metapher zahlreiche Sprachgrenzen überschritten, obwohl das nicht selbstverständlich ist.

Nimmt man etwa das deutsche Wort "Bücherwurm" für einen Menschen, der gern liest, so kommt zwar tatsächlich im Englischen dabei der "Bookworm" heraus, aber schon im Französischen wird er zur "Rat de bibliothèque", also zu unserer Leseratte, entsprechend auch im Spanischen. Im Italienischen wird er wörtlich übersetzt zur Bibliotheksmaus. Viele andere Sprachen steigen hier ganz aus und reden ganz prosaisch von Bibliophilen.

Nicht so beim Flohmarkt. Der wird nicht nur im Englischen zum "Flea Market". Er heißt im Französischen "Marché aux puces", im Schwedischen "Loppemarknad", im Dänischen und Norwegischen "Loppemarked", im Finnischen "Kirpputori", im Ungarischen "Bolhapiac", im Russischen und Ukrainischen "Bloshnyj Rynok", im Weißrussischen "Blyshnyj Rynak", im Polnischen "Pchli Targ", im Tschechischen "Bleší trh", im Spanischen und Portugiesischen "Mercado de Pulgas", im Kroatischen und Serbischen "Buvljak" und im Litauischen "Blusu Turgus". Und in jedem dieser 17 Beispiele ist in der jeweiligen Sprache der springfreudige Blutsauger an der Bildung des Wortes beteiligt.

Es gibt freilich auch Sprachen, die da aus der Reihe tanzen. So wird im Estnischen ("Vanakraamiturg") und Lettischen ("Kramu tirgus"), man ahnt es schon, auf solchen Märkten (alter) Kram gehandelt, im Niederländischen ("Rommelmarkt") schlicht und einfach Müll. (tk)

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