Worin liegt der Unterschied zwischen Sextant und Oktant?

In der Christlichen Seefahrt gehörte zur Bestimmung der Position der Schiffe das Nautische Besteck, bestehend aus dem Kompass und dem Sextanten. Ich bin mir nicht sicher in der Schreibweise des Letzteren, könnte mir aber vorstellen, dass darin die Zahl Sechs enthalten ist, weil wahrscheinlich über sechs Sterne, die mit dem Gerät angepeilt wurden, die Position bestimmt werden konnte. Es durfte also kein von Wolken bedeckter Himmel in der Nacht sein. Nun wurde kürzlich im Fernsehen ein Oktant vorgestellt, aber es wurde keine Erklärung zum Unterschied beider Geräte abgegeben. Visierte man damit acht Sterne des Firmaments an? (Diese Frage hat Wolfgang Weigel aus Lauter-Bernsbach gestellt.)

Das sogenannte Nautische Besteck, von dem Sie sprechen, auch Karten- oder Seekartenbesteck genannt, besteht aus einem Kursdreieck, einem Anlegedreieck und einem Kartenzirkel. Das Anlegedreieck dient dazu, das Kursdreieck verschieben zu können. Der Kartenzirkel kann mit einer Hand bedient werden. Mit ihm werden Entfernungen auf der Seekarte bestimmt. Der Sextant ist also nicht Bestandteil dieses Nautischen Bestecks.

Der Name des Sextanten rührt daher, dass er einen Winkelbereich von 60 Grad abdeckt, was einem Sechstel eines Kreises (360 Grad) entspricht. Wegen der physikalischen Spiegelgesetze sind demnach Messungen in einem Bereich von 120 Grad möglich. Die Positionsbestimmung über die Winkelmessung weit entfernter Objekte ist Aufgabe des Sextanten. So kann über den Winkelabstand zweier Sterne oder die Messung der Höhe eines Sternes über dem Horizont der Standort bestimmt werden. Sextanten wurden jahrhundertelang vor allem in der Schifffahrt eingesetzt.

Erfunden wurde der Sextant vom Physiker Isaac Newton im Jahr 1699, aber erst in den 1740er-Jahren, nach Newtons Tod, wurden seine Skizzen zum Sextanten entdeckt. Allerdings entwickelten weitere Mathematiker und Astronomen unabhängig von Newton ebenfalls ähnliche Messgeräte. Einer davon war der Engländer John Hadley.

Sein Winkelmesser hatte allerdings nur einen Bereich von 45 (gespiegelt 90) Grad, was einem Achtel eines Kreises entspricht, weswegen man ihn als Oktant bezeichnet. Wegen dieses geringeren Messbereiches setzte sich letztlich der Sextant durch. Der Oktant ist also keine Weiterentwicklung des Sextanten. Er wurde parallel zu diesem entwickelt. (kaip)

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