Größter künstlicher Binnensee Deutschlands ab 2026 in Cottbus

Cottbus ist eine Reise wert. Der Postkutscher verrät, warum es ihn nie gab. Der Baumkuchen schmeckt noch so wie vor 100 Jahren. Der Spreewald lockt mit Holzpantoffeln und dem "Gold der Lausitz". Und etwas Großes entsteht am Rande der Stadt.

Cottbus.

Zwei Campingstühle im Sand. Aus einer Hütte weht der Duft von Fischbrötchen in die Nase. Wenige Meter vor uns das Wasser. Die Ostsee! Nein, es ist d e r Ostsee. Eine riesige Fläche am Rand von Cottbus, wo bis 2015 noch Kohle gebaggert wurde, wird seit April 2019 geflutet. Wasser aus der Spree und das Grundwasser sorgen dafür, dass der See voraussichtlich 2026 mit etwa 130 Millionen Kubikmetern Wasser gefüllt ist. Derzeit sind 81Prozent Füllhöhe erreicht. Es wird der größte künstliche Binnensee Deutschlands, der dann das Potenzial hat, mittels Seewasserwärmepumpe die Stadt Cottbus mit Fernwärme zu versorgen. Badefreuden und Wassersport sind natürlich ebenso noch Zukunftsmusik wie Bebauungen unterschiedlichster Art. Wer den 31 Meter hohen Aussichtsturm in Cottbus-Merzdorf besteigt, kann sich schon jetzt einen Eindruck verschaffen.

Wie wäre es mit einer Erkundungstour durch Cottbus und Umgebung? Auf geht's! Erstes Ziel ist der Spremberger Turm in der Altstadt. Von dessen 28 Meter hoher Aussichtsplattform erkennt man am Horizont die Türme des Kraftwerks Jänschwalde, das in ferner Zukunft mit erneuerbarer Energie Wasserstoff statt Kohle herstellen wird. Etwas weiter rechts sehen wir Schloss und Park Branitz, entworfen vom Architekten Hermann von Pückler-Muskau, der 1871 in einer dortigen Seepyramide beigesetzt wurde. Parks und kleinere Grünanlagen trennen einzelne Wohngebiete. In der anderen Richtung geht der Blick zum Staatstheater. 1908 nach nur 18 Monaten Bauzeit fertiggestellt, vereint es Schauspiel, Ballett, Philharmonie und Musiktheater.

Der anschließende Fußmarsch durch die Stadt mit ihren knapp 100 000 Einwohnern wird plötzlich von einem Herrn in Uniform gestoppt. Kai-Uwe Geske, der Postkutscher, der den Postkutschkasten putzt (Sie kennen den Zungenbrecher?), steht vor der 2006 entworfenen Statue und enttäuscht uns ein bisschen: Denn den Postkutscher als Person hat es nie gegeben. Es sei vor rund 150 Jahren eine Erfindung pfiffiger Werbefachleute gewesen, um die Stadt bekannter zu machen. Tatsächlich zogen früher zwölf Postkutschen mit preußischen Postillionen durch die Stadt, die heute der Mann im blauen Wams neugierigen Gästen gern zeigt.

Einige Meter weiter freut sich unser Gaumen. In der Baumkuchenmanufaktur von Groch & Erben gibt es süße Leckereien. Die Kuchenmasse wird immer noch nach dem Original-Rezept von Maria Groch aus dem Jahr 1819 gefertigt - ohne Konservierungsstoffe und künstliche Aromen. Ist die Masse zubereitet, wird sie auf einer drehenden Walze Schicht für Schicht ausgebacken. Je nach Fertigung wird der Baumkuchen nun in einzelne Ringe geschnitten und von der Walze geschoben, anschließend mit Schokolade oder einer Zuckerglasur überzogen. Ein bisschen mehr gehört noch dazu, bevor die Erzeugnisse in der benachbarten "Conditorei & Café Lauterbach" erworben werden können.

Ein Kleinod am Altmarkt ist das Apothekenmuseum, das aus der 1568 eröffneten Apotheke hervorging. Nach der Wende wurde ein Förderverein gegründet, der das Museum betreibt und dessen Einrichtung seit 1871 nahezu unverändert geblieben ist. Individuelle Kräuter- und Teemischungen werden ebenso angeboten wie ein Magenbitter, dessen Rezept 200 Jahre alt ist.

Wie ist denn der Cottbuser nun eigentlich? Wie lässt er sich beschreiben? "Zunächst ist er ziemlich reserviert", meint Gerd Geipel vom Tourismusverband. "Doch wenn es Ihnen gelingt, ihn wach zu kitzeln, kommt er so richtig in Fahrt". Ein gutes Stichwort. Mit Gerd geht es per Fahrrad in den Spreewald. Zu einem der letzten Holzpantoffelmacher beispielsweise. Manfred Karolczak fertigt sie in Burg in dritter Generation an. Dazu verwendet er Pappel- oder Erlenholz sowie Leder von Händlern aus der Region. "Vom Stamm bis zum Verkauf selbst gemacht", verrät er schmunzelnd. In der Schauwerkstatt bekommt man einen Einblick in die Produktion des Holzpantoffels. Dass das Handwerk noch eine Weile erhalten bleibt, liegt ihm dabei besonders am Herzen.

Was wäre der Spreewald ohne seine Trachten?! Eine wahre Kunst betreibt Christa Dziumbla mit ihrer Trachtenstickerei. In einer Ausstellung wird man in die Welt der Spreewaldtrachten entführt. Wer wissen möchte, wie viele Nadeln in einer Spreewaldtracht stecken, wie viel Zeit man braucht, um sich mit solch einer Tracht zu kleiden, und warum es bei den Trachten große und kleine Hauben gibt, kann dies und noch vieles mehr hier erfahren.

Was macht den Spreewälder stark? Kartoffeln mit Leinöl und Quark! Doch wie wird das "Gold der Lausitz" eigentlich hergestellt? Dazu schauen wir Torsten Schulz über die Schulter. Er arbeitet seit acht Jahren in der Straupitzer Ölmühle, die deutschlandweit als einzige Mühle das Leinöl auf diese Weise herstellt. Aus der Pflanze Lein (manche sagen Flachs dazu) wird der Leinsamen gewonnen. Die Leinsamenmasse wird in gusseiserne Formen gefüllt, mit einem Druck von 300 bar gepresst und hat eine Auslauftemperatur von 25 Grad. Kalt gepresst, wird es anschließend ohne Konservierungsstoffe abgefüllt.

Zehn Kilo erhitzte Leinsamenmasse ergeben 2,5 Liter Öl, fünf Liter in einer Stunde. Die getrocknete Masse (Leinkuchenmehl) eignet sich zum Panieren, als Zutat im Joghurt oder Quark und nicht zuletzt als Tierfutter.

An manchen Tagen kommen bis zu 400 Besucher in die Mühle. Natürlich kaufen die meisten von ihnen anschließend das "Gold der Lausitz". Wir auch.

Zum Postkutscher 

Anreise: Etwa zweieinhalb Stunden benötigt man mit dem Auto von Chemnitz nach Cottbus. Mit der Regiobahn sind es knapp drei bis dreieinhalb Stunden.

Übernachtung: Das Lindner-Congress-Hotel im Stadtzentrum bietet attraktive Angebote. Beispiel: drei Ü/F für 135 p.P. im DZ. HP zubuchbar. City- und E-Bikes können geliehen werden. www.lindner.de/cottbus

Tipps: Führungen des Cottbuser Postkutschers sind buchbar unter: www.cottbus-tourismus.de

Cottbuser Baumkuchen: www.grochunderben.de

Das Apothekenmuseum hat von Dienstag bis Freitag (10 bis 17 Uhr) geöffnet. Führungen können unter Tel. 0355/23997 angemeldet werden. brandenburgisches-apothekenmuseum.de

In Europas letzter produzierender Dreifachwindmühle (Mahl-, Öl- und Sägemühle) in Straupitz/Spreewald wird die Leinöl-Herstellung gezeigt (täglich geöffnet): www.windmuehle-straupitz.de

Weitere touristische Ziele: Schloss und Park Branitz www.pueckler-museum.de

Verschiedene Kahnfahrten im Spreewald (z.B. Kamin- und Mondscheinfahrt): www.spreewald.de

Die Recherche wurde unterstützt von Lindner Hotels AG

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