Sachsen für Entdecker

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Frauenkirche und Fichtelberg, Barock und Jugendstil: Sachsen hat viele Attraktionen, die Besucher aus aller Welt anziehen. So wollte sich der Freistaat auch als Partnerland der Internationalen Reisemesse im März in Berlin präsentieren. Doch daraus wird wieder nichts - die ITB wurde wegen Corona abgesagt. Vielleicht umso mehr ein Grund, das Bundesland zu entdecken. Wir stellen sechs Ziele vor, die Sie kennen sollten.

Vergessen Sie Venedig!

Von der Elster zur Alster - der schon Jahrhunderte alte Traum lässt noch auf sich warten noch. Warum also nicht erst mal Leipzig per Boot erkunden?

Von Steffen Klameth

Am Anfang muss man sich entscheiden: Aktiv oder gemütlich? Wer die aktive Variante wählt, steigt ins Paddelboot. Alle anderen machen es sich im Motorboot bequem. Das hat zudem den Vorteil, dass man einen Bootsführer zur Seite hat. Der kennt nicht nur den Weg, sondern auch jede Menge Anekdoten. Ein paar Lektionen in sächsischem Dialekt inklusive.

Leipzig ist von Gewässern umzingelt und durchzogen. Schon vor Jahrhunderten träumte man hier von einer Verbindung zur Nordsee. Der Unternehmer Karl Heine schaffte ab 1856 schließlich Tatsachen: Getreu dem Motto "Von der Elster zur Alster" ließ er einen Kanal anlegen, der die Weiße Elster mit der Saale verbinden sollte. Leider blieb er unvollendet.

Leipzigs Touristiker vermarkten ihre Wasserwelt gern als "Klein-Venedig". Das ist natürlich Unsinn. Denn wo bitte findet man in Venedig solch prachtvolle Backsteinbauten wie an der Weißen Elster? Früher wurde hier Wolle zu Garn gesponnen, heute ist es Deutschlands größtes Industriedenkmal - und Wohnstätte betuchter Leipziger. Nebenan und gegenüber sind in den letzten Jahren auch moderne Lofts entstanden, in denen zum Beispiel Spieler von RB Leipzig residieren - so erzählt es zumindest der Bootsführer.

Der Blick geht nach links und nach rechts und nach oben. Auf einer Brücke thront, einem Ufo gleich, das ehemalige MDR-Riverboat. Da hat unser Boot bereits den Karl-Heine-Kanal erreicht. Dieser 3,3 Kilometer lange Abschnitt war zu DDR-Zeiten zur Kloake verkommen und erst nach der Wende renaturiert und verlängert worden.
Die Vision des Namensgebers haben sich die Leipziger wieder fest im Blick. Immerhin erreicht man mit dem Boot inzwischen den Lindenauer Hafen im Westen der Stadt. Und von dort ist es nicht mehr weit zum Elster-Saale-Kanal. Genau genommen fehlen noch 75 Meter und zwei Brücken. Dann könnte man immerhin bis Günthersdorf schippern. Und irgendwann vielleicht bis nach Hamburg.


Biwak am Forststeig

Fernab der Hotspots kann man die Sächsische Schweiz auf neuen Wegen erkunden

Von Birgit Grimm

Sächsische Schweiz abseits der Bastei? Ohne die Festung Königstein? Geht nicht? Gibt's nicht? Gibt‘s doch, aber man muss schon gehen wollen abseits der Ortschaften und fernab der touristischen und bergsteigerischen Hotspots. Die Wege, markiert mit einem senkrechten gelben Strich, sind oft breit und unspektakulär. Doch die Übernachtungsplätze - im Foto die Hütte Willys Ruh - sind abenteuerlich: kein Trink-, nur manchmal Regenwasser, kein Strom, keine Matratze. Dafür frische Waldluft, Blaubeeren und Pilze am Weg, neue Bekanntschaften in den Hütten, überraschende Begegnungen mit Tieren und das gute Gefühl, draußen zu sein. Eine Garantie auf ein hartes Bettgestell unterm Hintern gibt es nicht. Ein Ticket für zehn Euro pro Nacht muss man sich beim Sachsenforst trotzdem kaufen.

Feuerstellen wie die am Taubenteich werden gern auch im Winter benutzt. Aber die toll konstruierte, ausklappbare Biwakschachtel dort bleibt bis April dicht - wie auch alle anderen Hütten. Wer die 110 Kilometer des Forststeigs auf einen Ritt wandern will, sollte sich sechs bis acht Tage Zeit und ein Zelt mitnehmen.

Kartenmaterial und Hinweise auf: www.forststeig.sachsen.de


Das doppelte Schloss

Zabeltitz in der Röderaue setzt mit dem Barockgarten auf französischen Charme

Von Kathrin Krüger

Ein Palais, das es im Spiegelteich ein zweites Mal gibt, ein 500-jähriges Renaissanceschloss und ein Barockpark, der zum Lustwandeln einlädt - das ist Zabeltitz bei Großenhain. Ein Juwel in der Röderaue. Der Barockgarten entstand nach französischem Vorbild. Denn Prinz Xaver von Sachsen, der hier im 18. Jahrhundert residierte, war ein Fan davon. Mit den "Riesenkindern" hinterließ er der Nachwelt eine außergewöhnliche Brunnenanlage. In der Zabeltitz-Info im Palais erfährt man alle Histörchen dazu. Dort gibt es ab dem Frühjahr auch Gastronomie. Ein Wiener-Schnitzel-Haus, das Bauernmuseum und Wackerbarths Grab in der Kirche laden zum Besuch ein.


Kronleuchter mit Fehlern

Die Dresdner Oper ist berühmt - und immer für eine Überraschung gut. Thematisch geordnete Führungen ermöglichen den Blick hinter die Kulissen.

Von Bernd Klempnow

Die Semperoper kennt jedes Kind. Mag sein. Aber wie genau? Das 1945 zerstörte und 1985 wiedereröffnete Haus birgt nämlich eine ganze Menge Überraschungen. Da lohnt der zweite Blick, wie er bei den Führungen vor und hinter den Kulissen möglich ist. Die Angebote sind thematisch geordnet, für Familien geeignet und dauern in der Regel 45 Minuten. Billiger als ein Konzert sind sie allemal.

Da gibt es die Entdeckertour, die den Fokus auf Baudetails richtet. Etwa auf den Kronleuchter im Zuschauerraum - fünf Meter hoch und über vier Meter im Durchmesser. Das Original ging in den Flammen verloren und konnte nur anhand von zwei Fotos rekonstruiert werden. Nun besteht er aus 1.348 Gussteilen - und acht davon sind falsch. Sie zeigen das sächsische Wappen mit einem verkehrt laufenden Rautenband. Die Erklärung: Die Fotos waren seitenverkehrt entwickelt worden.

Interessant ist auch die Führung "Berufe in der Semperoper", die genau solche vorstellt, die es braucht, damit täglich eine Vorstellung stattfinden kann. Oder wie wäre es mit der Erlebnistour "Prima Ballerina"? Bei der erzählt eine Tänzerin, wie es ist, im Scheinwerferlicht zu stehen, wie viele Spitzenschuhe sie im Jahr zertanzt und wie bequem die Kostüme wirklich sind.


Jesus' Spuren in Görlitz

Das Heilige Grab bietet ein Stück Jerusalem, das ein früherer Bürgermeister im 15. Jahrhundert errichten ließ - und spektakuläre Aussichten.

Von Tobias Hoeflich

Eigentlich braucht sich Görlitz mit fast 4000 Baudenkmälern nicht mit fremden Federn zu schmücken. Und doch hält die ostsächsische Stadt bei Filmproduktionen immer wieder für andere Metropolen her. Bei "In 80 Tagen um die Welt" etwa wandelte sich der Untermarkt kurzerhand zu Paris. Und Kultregisseur Wes Anderson machte Görlitz für "The Grand Budapest Hotel" zu Ungarns Hauptstadt.

Keine Fiktion - aber weniger bekannt - ist dagegen das "Görlitzer Jerusalem", das der frühere Bürgermeister Georg Emmerich im 15. Jahrhundert nach einer Pilgerreise errichten ließ. Am Rande der Altstadt steht das Heilige Grab: eine Nachbildung von Teilen der Jerusalemer Grabeskirche, die an der überlieferten Stelle der Kreuzigung und des Grabes Jesu steht.. Rund um die drei fast maßstabsgerecht nachgebauten Kapellen erinnert auch die Umgebung in Form eines Landschaftsgartens an das Gelobte Land. Ein Bach symbolisiert den Fluss Kidron, darüber thront der Ölberg - angelehnt an Jerusalem. Oben angekommen, erhebt sich dahinter die Görlitzer Altstadt-Silhouette mit ihren vielen Türmen und früheren Wehranlagen. Öffentliche Führungen durch das Heilige Grab werden ab April immer Freitag (15 Uhr) und Samstag (10 und 15 Uhr) angeboten.


Hier geht's um Kohle

Im Erzgebirge wird nahe der Sosaer Talsperre eine alte Tradition gepflegt

Von Irmela Hennig

Rußgeschwärztes Gesicht, klobige Schuhe, Schaufel in der Hand - wenn jemand einen Köhler vor Augen hat, dann so. Wie die Holzkohlenmacher heute arbeiten, können Besucher im Köhlerdorf Sosa bei Aue erleben. Dort führt der etwa zwölf Kilometer lange Köhlerweg an der letzten produzierenden Köhlerei des Erzgebirges vorbei. Neugierige können überdies die vereinsbetriebene Erlebnisköhlerei nahe der Sosaer Talsperre besichtigen. Dort wird mehrmals im Jahr ein Erdmeiler aufgeschichtet. Ein sechs Kilometer langer Rundweg führt zudem um den Wasserspeicher. Der Ortskern mit Fachwerkhäusern und Kirche ist nicht weit. Abstecher lohnen sich nach Eibenstock mit Stickereimuseum und Erlebnisbad sowie zum Blauenthaler Wasserfall.

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